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  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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  • GC 002 2017 Titel

Praxistipp 02/2016

Neu hier? Bitte eintreten!

Von Alexandra Maier
Redaktionsleiterin

Wenn im Augenblick von Willkommenskultur die Rede ist, dann sind zumeist Flüchtlinge gemeint, denen man ein warmes und herzliches Willkommen in Bayern und Deutschland sagen soll. Wir sollten allerdings nicht vergessen, dass sie nicht die einzigen sind, die neu in unsere Gemeinden kommen. Bayern ist bei Umzüglern beliebt, in den vergangenen 25 Jahren ist etwa eine Million Menschen nach Bayern gekommen, um hier zu leben, zu arbeiten oder hier den Ruhestand zu genießen; mehr als in jedes anderes Bundesland. Die Motive, die zum Umzug bewegen, sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst: die neue Arbeitsstelle, eine neue Partnerschaft, eine gute Perspektive für die eigenen Kinder oder einfach die Sehnsucht nach der bayerischen Natur. Eines aber ist ihnen allen gemeinsam: Sie kommen in eine neue Stadt, eine neue Gemeinde, in der sie kaum jemanden kennen. Für manche mag das zu Anfang frustrierend sein.

Die Problematik der sogenannten „Schlafstädte“ ist in den vergangenen Jahren häufig diskutiert worden. Gemeinden, etwas abseits der großen Ballungsräume, aber doch nah genug, dass täglich zur Arbeitsstelle gependelt werden kann – dort sind Grundstückspreise, Mieten und Lebenshaltungskosten oftmals deutlich geringer als in den großen Städten. Diese Orte sind bei Zuzüglern deswegen besonders beliebt. Manche von ihnen sind in den letzten Jahren überdurchschnittlich schnell gewachsen. Die alten Gemeindestrukturen stellt das vor Herausforderungen. Damit daraus keine Städte werden, in die die Menschen nur zum Schlafen nach der Arbeit zurückkommen, sind alle gefragt, insbesondere auch die Pfarrgemeinden.

In fast jeder Gemeinde erhalten Neubürger ein umfangreiches Willkommenspaket mit Broschüren, Informationen zur Stadtgeschichte, wichtigen Telefonnummern und Ähnlichem. Nichts aber kann den persönlichen Kontakt ersetzen! Tun Sie sich mit der Kommune und anderen Glaubensgemeinschaften am Ort zusammen und überlegen Sie gemeinsam: Was ist das Besondere an unserem Ort? Was macht das Leben hier so lebenswert? Was wollen wir unseren Neubürgern zeigen?

Vielerorts werden regelmäßig Gottesdienste für diese Gruppe angeboten. Überlassen Sie die neuen Kirchgänger nach dem Schlusssegen nicht gleich wieder sich selbst. Organisieren Sie direkt im Anschluss einen kleinen Empfang, bei dem die Neuen mit Alteingesessenen und Seelsorgern ins Gespräch kommen können. Hier zeigt sich sehr schnell, wo die Interessen liegen und vielleicht kann man hier schon den einen oder anderen Ehrenamtlichen zur Vorbereitung der Kinderbibeltage oder für den Eine-Welt-Kreis gewinnen.

Bei einem gemeinsamen Stadtrundgang mit Neubürgern können ganz praktische Dinge erklärt werden, welche Gaststätte hat wann Ruhetag, welcher Supermarkt hat bis wann geöffnet, wo finden die meisten Kulturveranstaltungen statt und wo kann man dafür die Karten kaufen? Treten Sie als Pfarrei nicht isoliert auf, vernetzen Sie sich mit anderen Vereinen oder Organisationen. Bei einer Stadtführung kann jemand aus dem örtlichen Geschichtsverein Kurioses aus der Stadtgeschichte erzählen, der Sportverein stellt die Sportanlagen vor und Gemeindemitarbeiter zeigen, wo Bücherei und Schwimmbad sind. Haben Sie keine Scheu, fragen Sie auch Andersgläubige, ob Sie Interesse an einer kleinen Kirchenführung haben. Die meisten werden dafür offen sein und gerne einen Blick hinein werfen.