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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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  • GC 002 2017 Titel

Praxistipp 03/2016

Steinhartes Geschäft

Von Alesander Fonari
Vorstand Eine Welt Netzwerk Bayern e. V.

In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Produkte entdeckt, die bei ihrer Herstellung von der Ausbeutung von Kindern profitieren. Das gilt zum Beispiel für Kakao, Orangensaft, Kaffee, Fußbälle oder auch Textilien. Dadurch können diese Produkte bei uns relativ günstig verkauft werden. Verbraucher in Deutschland profitieren also von der Ausbeutung von Kindern. Immer mehr Käufern ist dieser Zusammenhang gut bekannt und sie achten beim Einkauf daher auf fair produzierte Waren. Aber wer hätte gedacht, dass auch bei der Herstellung von Grabsteinen Kinder ausgebeutet werden?

Aber genau das ist der Fall. Immer wieder gab es Hinweise darauf. Die Importeure von Grabsteinen aus Indien haben jedoch jahrelang einen Zusammenhang bestritten. Anfang März 2016 berichtete das Magazin der Süddeutschen Zeitung über neue Beweise. Benjamin Pütter, Mitarbeiter vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ war nach Indien gereist und hat Kinder bei der Arbeit in einem Steinbruch fotografiert. Er konnte außerdem aufzeigen, dass deutsche Importeure von Grabsteinen Ware von diesem Steinbruch beziehen.

Der Bayerische Landtag hat auf Initiative der vielen Eine Welt-Gruppen in Bayern bereits 2007 als erster Landtag in Deutschland beschlossen, dass Bayern keine Produkte mehr aus ausbeuterischer Kinderarbeit einkauft. Laut Konvention 182 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) umfasst der Ausdruck die schlimmsten Formen der Kinderarbeit. Gemeint sind zum Beispiel Sklaverei, sklavereiähnliche Praktiken, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft, Zwangsarbeit und Arbeit, die für die Gesundheit, die Sicherheit oder die Sittlichkeit von Kindern schädlich ist. Grabsteine kauft im Normalfall nicht der Staat, sondern die jeweiligen Hinterbliebenen. Der Freistaat Bayern ist jedoch verantwortlich für das Bestattungsgesetz. Eine Welt- Gruppen fordern somit schon lange eine Änderung, die es den Trägern von Friedhöfen (Kommunen, Kirchengemeinden) rechtssicher erlaubt, das Aufstellen von Grabmalen aus Kinderarbeit zu untersagen. Derzeit bemüht sich die Bayerische Staatsregierung um ein entsprechendes Gesetz. Erste Versuche waren nicht besonders gelungen. Zuständig ist das bayerische Gesundheitsministerium. Es kann also noch dauern, bis es in Bayern ein solches Gesetz gibt und bis Kommunen und Kirchengemeinden dieses Gesetz dann entsprechend umgesetzt haben. Was kann Menschen empfohlen werden, die schon jetzt aktiv werden wollen? Kaufen Sie einen Grabstein aus regionaler Produktion – zum Beispiel aus dem Bayerischen Wald. Oder machen Sie „Grabstein-Recycling“, das bedeutet: Lassen Sie einen nicht mehr benötigten Grabstein aufarbeiten. Wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht möglich sein sollte, lassen Sie sich von Ihrem Steinmetz einen Nachweis vorlegen, dass der Grabstein ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt wurde.

Denken Sie auch frühzeitig an ihren eigenen Grabstein. Informieren Sie Ihre Kinder oder andere mögliche Hinterbliebene über Ihre Vorstellungen vom Erwerb eines Grabsteines. Legen Sie Ihrem Testament eventuell einen entsprechenden Hinweis bei. Regeln Sie die letzten Dinge fair!