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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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  • GC 002 2017 Titel

Praxistipp 06/2015

Aller guten Dinge sind drei

Ein Drei-Schritt für die Umweltarbeit in Pfarrgemeinden

Von Bernd Grünauer
Klimaschutzmanager der Diözese Eichstätt

Schnell schon wird es jetzt dunkel. Ein Blick auf den Stromzähler mag manchmal erschrecken – auch für Pfarrgemeinden entstehen Rechnungen, die oft gar nicht so hoch ausfallen müssten. Gemeinde creativ zeigt Ihnen, an welchen Stellschrauben man drehen kann, damit Pfarrheim und Kirche energieeffizienter und klimaschonender werden:
Immer wieder stellt sich bei unserer Arbeit die Frage: Wie motiviert man Menschen in Pfarrgemeinden und Kirchenstiftungen, aktiv Schöpfungsverantwortung zu übernehmen? Gewiss, das Ziel einer zertifizierten Pfarrgemeinde ist schwer zu erreichen und in unseren Kirchenstiftungen und Pfarrgemeinderäten engagieren sich vor allem ehrenamtliche Gemeindemitglieder, denen man nicht alles aufbürden kann und darf.

Deshalb versuchen wir in der Diözese Eichstätt, im Zuge des Projektes „Klimaoffensive 2030“ in drei Schritten das Ziel einer energie- und umweltbewussten Pfarrgemeinde zu erreichen:
► Schritt 1: Energiecontrolling
► Schritt 2: Weiterbildung und Energieberatung
► Schritt 3: Einführung eines Umweltmanagementsystems

SCHRITT 1
ENERGIECONTROLLING

Zuhause fällt uns der sparsame Umgang mit Wärme, Strom und Wasser leicht: Es wohnen wenige Menschen unter einem Dach, diese haben eine enge soziale Verbindung untereinander und jede Einsparung macht sich bemerkbar. Kirchliche Gebäude dagegen werden von den verschiedensten Menschen, Personengruppen und Kreisen genutzt und wir dürfen nicht vergessen, dass in den Räumen einer Pfarrgemeinde die Abrechnungen für Strom, Wärme und Wasser nicht von den Nutzern bezahlt werden: Keiner fühlt sich zuständig.

Die Vertreter der Kirchenstiftungen sind in erster Linie mit Argumenten der Ökonomie, nicht der Ökologie zu überzeugen. Aus diesem Grund versuchen wir in der Diözese Eichstätt ein flächendeckendes Energiecontrolling einzuführen. Dabei wird den teilnehmenden Kirchenstiftungen und Pfarrgemeinden der Zugang zu einem EDV-Programm eingerichtet, das ihnen hilft, Daten zu Energieund Wasserverbrauch und die damit verbundenen Ausgaben systematisch zu erfassen und zu überwachen. Die Möglichkeit einer grafischen Auswertung liefert einen schnellen und umfassenden Überblick über Verbrauchswerte und Kosten. Die Entwicklung der Verbrauchszahlen über mehrere Jahre und das Erreichen selbstdefinierter Zielwerte können auf einen Blick erfasst und bewertet werden.

Schon in den ersten Versuchsreihen zeigte sich, dass eine monatliche Erfassung dieser Werte eventuelle Schwachstellen deutlich aufzeigt. Das ist der erste Schritt zu einem bewussteren Umgang mit Energie und dem Lebensmittel Wasser.

SCHRITT 2
WEITERBILDUNG UND ENERGIEBERATUNG

Der Mehrzahl der Gläubigen, die in Pfarrgemeinden mitarbeiten, ist der Umgang mit Heizungsregelung, das Erfassen von Daten, die systematische Betrachtung von Gebäuden und anderem eher fremd. Bildung, Schulung und Begleitung von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern, die sich auch in Zukunft für Klima- und Umweltschutz einsetzen wollen, ist daher das Ziel des zweiten Schrittes in Richtung einer nachhaltigen Pfarrgemeinde.

Die Diözese Eichstätt bietet Schulungen und Vorträge zu verschiedenen Themen an: „Heizen aber richtig“, „Strom sparen mit dem Einsatz der richtigen Leuchtmittel“, „Umweltkommunikation und Nutzerverhalten“, „Belegungsmanagement“, „Für die Zukunft planen“, dort stehen alternative Heizkonzepte, Energieeffizienzsteigerung, Gebäudedämmung und Fördermöglichkeiten im Mittelpunkt.

Zusätzlich werden die ausgebildeten Ehren- und Hauptamtlichen zu den auf Bistumsebene veranstalteten Klima- und Energietagen eingeladen. Diese finden mindestens einmal pro Jahr statt und ermöglichen es, sich persönlich kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und sich durch Fachvorträge weiterzubilden.

Die Diözese fördert zudem die Begehung von Gebäuden und die Begutachtung der Heizungsanlagen in Pfarrgemeinden durch externe Berater. Die Auswertung von Bestandsaufnahme, Gebäudebegehung und Heizungsbeurteilung kann zusammengefasst werden, um ein konkretes Handlungsprogramm zu erarbeiten.

SCHRITT 3
EINFÜHRUNG EINES UMWELTMANAGEMENTSYSTEMS

Mit der Einführung eines Umweltmanagementsystems stellen wir uns als Kirche der Verantwortung gegenüber der Schöpfung und unseren Mitmenschen. Denn damit wird ein kontinuierlicher, zielgerichteter Weg zur Verbesserung der Umweltbilanz beschritten, der es gleichzeitig ermöglicht, das Handeln zu jeder Zeit zu reflektieren und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Bei der konsequenten Anwendung der bereits genannten Schritte ist es nicht mehr weit zur Umsetzung eines effektiven Umweltmanagements, denn die Nutzung des bereitgestellten Energiecontrolling- Programmes ermöglicht durch die Verwendung weiterer Programmelemente die Einführung und Bearbeitung eines EDV-gestützten Umweltmanagementsystems.

Parallel dazu werden Gemeindemitglieder zu „Umweltauditoren“ ausgebildet. Dabei werden ihnen Themen wie Schöpfungstheologie, Nachhaltigkeit, Bewertung von Umweltaspekten, Umweltrecht, Sicherheitsfragen, Öffentlichkeitsarbeit nahe gebracht.

Ziel ist es, die Teilnehmer zu befähigen, ihre oder andere Pfarrgemeinden als Umweltauditoren bei der Einführung von Umweltmanagementsystemen zu begleiten.

Durch die Einführung eines Managementsystems verpflichten sich Gemeinden und Einrichtungen dazu, alle relevanten gesetzlichen Regelungen einzuhalten und an einer kontinuierlichen Verbesserung der eigenen Umweltbilanz zu arbeiten.

RESÜMEE

Erinnern Sie sich an den dritten Absatz dieses Artikels? Er beginnt mit den Worten: „Deshalb versuchen wir in der Diözese Eichstätt …“. Ja, auch wir stehen am Anfang des Weges und fühlen uns manchmal wie Sisyphos: Nur fünf Pfarreien nehmen an dem Feldversuch zur Einführung eines Energiecontrollings teil; nur 16 Pfarreien haben interessierte Gemeindemitglieder zur Weiterbildung angemeldet, alle ehemals EMASzertifizierten Pfarreien haben, früher oder später, auf eine Revalidierung verzichtet und so haben wir nur eine einzige, mit einem nach EMAS zertifizierten Umweltmanagement arbeitende Einrichtung in der gesamten Diözese.

Aber es gibt auch Lichtblicke: drei weitere Einrichtungen haben sich auf den Weg zu einer Zertifizierung gemacht, darunter auch das Bischöfliche Ordinariat der Diözese Eichstätt. Es ist zu hoffen, dass diese Zertifizierung als Beispiel für die noch mehr als 200 Pfarreien und 450 Kirchenstiftungen der Diözese wirkt und zur Teilnahme an einer der von uns vorgestellten Aktionen animiert.