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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Meditation 06/2015

Wohin sollen wir gehen?

Von Walter Wakenhut

Am Ende der Brotrede fragt Jesus im Johannesevangelium die Zwölf, also den harten Kern seiner Jünger: „Wollt auch ihr weggehen?“ Petrus antwortet darauf: „Herr, zu wem sollten wir gehen? – Du hast Worte des ewigen Lebens!“

Jesus sieht sich als Fleisch für das Leben der Welt. In der Gestalt des Brotes wird das sinnhaft. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Diese Rede hat offensichtlich bei seinen Zuhörern mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen – auch bei seinen Anhängern, den Jüngern. Sie verlassen ihn.

Nur wenige verstehen den Sinn seiner Worte – das, was er wirklich sagte: Alle, die seine Worte hören und befolgen, werden das Leben haben. Dieses Leben ist ein Leben in der Fülle; es ist ewiges Leben, das grundsätzlich allen, die glauben, offen steht. Dieses Leben ist auch das große Anliegen des Papstes in seiner Enzyklika Laudato si‘. Es geht um das Gemeinwohl, auf das wir alle, besonders wir Christen, verpflichtet sind. Aus der Antwort des Petrus spricht nun die Erfahrung einer Gemeinde, die für sich entdeckt und erkannt hat:

Dieser Jesus ist der Weg, er ist die Wahrheit und er ist das Leben.

Was heißt das?
Es genügt nicht, sich auf den Weg zu machen, denn – so sagt man – der Weg allein sei schon das Ziel. Einen Weg ohne Ziel gibt es nicht; ein Weg führt immer irgendwo hin. Und es genügt auch nicht einfach weg zu sein – denn auch das geht nicht ohne Absicht, und wenn diese nur im weg-Sein besteht. Am Ende dieses Weges steht für uns Christen die ganze Wahrheit und die ist das Leben, das Gott uns in Jesus Christus neu geschenkt hat.

Schauen wir ins eigene Leben hinein, auf das, was uns so alltäglich bewegt und beschäftigt. Jeder und jede von uns hat seine Ziele, seine Wünsche, seine Träume, seine Vorstellungen vom Leben, die sicher recht unterschiedlich sind. Denn da ist der junge Mensch, der sich von seinem Leben noch alles erwartet. Und da ist der alte Mensch, der froh ist um jeden Tag, den er einigermaßen gesund und froh erleben kann – möglichst noch lange.

Nun wissen wir, dass das alles auch nicht so einfach ist. Wege führen in die Irre, Pläne scheitern, Ziele werden nicht erreicht und viele Träume sind halt einfach nur Schäume.

Und da stellt sich auch für uns die Frage:
Ja, wohin sollen wir gehen? – Wie soll das gehen?

Vor siebzig Jahren endete der Zweite Weltkrieg, der unsägliches Leid über weite Teile unserer Erde brachte. Europa lag in Trümmern, Millionen von Menschen, Soldaten und Zivilisten, gefallen, ermordet. Damals waren auch unsere Landsleute auf der Flucht, aus der Heimat vertrieben. Die Ruinen der Städte und Fabriken waren nur ein äußeres Zeichen für die Verwüstung in den Herzen und Seelen der Menschen.

Es waren beherzte Menschen, die aus ihrer christlichen Überzeugung heraus einer Wiederholung einer solchen Katastrophe einen Riegel vorschieben wollten. Aus der Erkenntnis heraus, dass nur ein gutes und friedvolles Miteinander der Welt und ihren Menschen eine Zukunft gibt, entstanden die Vereinten Nationen, entstanden die vielen übernationalen Bündnisse.

Was da einmal so hoffnungsvoll begonnen hat und in der Vereinigung der Völker Europas einen deutlichen Ausdruck gefunden hat, ist heute wieder gefährdet. Die hohen Erwartungen, die mit der Wende von 1989/90 entstanden sind, haben sich nicht erfüllt. Das Zerbrechen der Blöcke hat nicht den Weltfrieden gebracht, in dem alle Menschen mit gleicher Würde und gleichen Rechten leben können. Von einem Weltgemeinwohl sind wir inzwischen weiter denn je entfernt. Terror, Vertreibung, Flucht, Hunger und Elend gehören zur Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts, das mit so vielen Erwartungen und Hoffnungen verbunden war. Ja, – so müssen wir uns fragen – wohin führt das alles? Und da sind wir wieder bei Petrus und seiner Frage, die er auch gleich beantwortet.

Herr, zu wem sollen wir gehen? – Die Antwort ist: Du hast Worte des ewigen Lebens! Wir Christen haben also eine Antwort auf die Not dieser Welt. Es ist die Antwort, die Jesus uns gibt. Es sind diese Worte des ewigen Lebens, die ein Leben in Fülle für alle verheißen.
► Warum stellen wir unser Licht unter den Scheffel, halten uns vornehm zurück und mischen uns nicht ein?
► Warum lassen wir uns als Christen und als Kirche so einfach aus dem öffentlichen Raum drängen?
► Warum lassen wir es uns gefallen, dass unsere Werte an der Zahl der Kirchenmitglieder gemessen werden oder gar an dem Ergebnis von Meinungsumfragen?

Jesus sagt: Ihr seid das Licht der Welt. Ihr seid das Salz der Erde. Nehmen wir diesen unseren Auftrag ernst und mischen wir uns ein, wenn Menschenwürde und Menschenrechte bedroht sind. Treten wir ein für die Werte, die in unserer christlich abendländischen Tradition gründen und die unsere Grundrechte garantieren und unsere Lebensqualität sichern. Verkünden wir das Evangelium weniger durch Worte, als vielmehr durch die Art wie wir leben. Solidarität und Subsidiarität, Verantwortung füreinander und selbstverständliche Hilfe für den anderen sollte uns auszeichnen und nicht Besserwisserei und Rechthaberei.

Herr, zu wem sollen wir gehen? – Du hast Worte des ewigen Lebens.