Nachhören

  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

    Zum Anhören herunterladen oder direkt hier im O-Ton anhören:

Schreiben Sie uns

    • Ihre Meinung zu Beiträgen
    • Fragen, die beim Lesen aufgetaucht sind
    • Reaktionen an die jeweiligen Autoren
    • Themenwünsche und Ideen für zukünftige Ausgaben

    Kontaktdaten

Aktuelle Ausgabe

  • GC 002 2017 Titel

Praxistipp 05/2016

Stammtischparolen gekonnt ausbremsen

Von Jürgen Kricke
Referent in der Bezirksstelle Oberfranken-Oberpfalz der Evangelischen Landjugend

„Ich bin ja kein Nazi, aber…“, „Das wird man doch noch sagen dürfen…“, „Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg…“, „Alle Flüchtlinge sind kriminell… oder „Frauen können nicht einparken und Männer nicht kochen…“ – Kennen Sie Situationen, in denen mit platten Sprüchen Vorurteile, oft beiläufig und ungeniert, präsentiert werden?

Solche Parolen sind in Deutschland durchaus verbreitet, nicht nur in den sozialen Medien. Aktuell scheinen sie durch das Megathema „Flucht und Asyl“ befeuert. Sie stellen zunehmend eine Herausforderung für die Gesellschaft dar. Verschiedene Organisationen versuchen mit diesen Stammtischparolen Anhänger zu gewinnen – vor allem unter jungen Leuten.

Eine Stammtischparole ist laut Klaus-Peter Hufer ein abwertender Ausdruck für eine rechthaberische, voreingenommene, verallgemeinernde oder unsachliche (politische) Meinungsäußerung. Stammtischparolen werden als solche nicht durch den Ort des Gesprächs, sondern durch den Inhalt der Äußerungen definiert. Bei einem Argumentationstraining wird hinter die Kulissen dieser Aussagen geschaut, das heißt: man blickt auf die dahinter stehende Psychologie und die Entstehung von Vorurteilen. Es wird über Ideologien gesprochen und über die Gefahren, die von ihnen ausgehen, und aufgezeigt, wie schnell wir Menschen dazu neigen zu diskriminieren.

In interaktiven Übungen probieren die Teilnehmer aus, wie solchen Sprüchen argumentativ und rhetorisch beizukommen ist. Zentral dabei ist eine praktische Übung, bei denen sich die Teilnehmer in unterschiedliche Rollen begeben: in die von Stammtischparolen-schwingenden Personen sowie in die entsprechende Gegenposition. Die Teilnehmer sollen ein Gespür bekommen, wie es ist, zu diskriminieren und diskriminiert zu werden. Dabei kann es zu Grenzerfahrungen kommen. Die Teilnehmer lernen, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und bekommen Methoden an die Hand, diese gegenüber anderen deutlich zu machen.

Auch wenn es keine Patentrezepte gegen Stammtischparolen gibt, ist es gut zu wissen, welche unterschiedlichen Strategien es gibt, um eine aggressive Argumentation auszubremsen. So kann ein klares „Nein“ dazu beitragen; ein „Stopp“ kann helfen „Parolenspringen“ zu vermeiden und Sachwissen, gepaart mit entsprechenden Nachfragen, Widersprüchlichkeiten bis hin zu tatsächlichen Lügen aufdecken.

Für diejenigen, die solchen Konfrontationen argumentativ, selbstsicher und angemessen begegnen wollen, gilt:

  • Übung macht den Meister
  • Die Meinung kann verurteilt werden – der Mensch sollte es nicht
  • Ängste – eigene und die des Gegenübers – ernst nehmen, aber nicht überbewerten
  • Vertrauen und Zutrauen – aber Selbstschutz beachten
  • Begegnungen schaffen Beziehungen

Gerade als Christen können wir aus unserem Glauben heraus Stellung beziehen: einerseits gegen menschenverachtende Stigmatisierungen und andererseits für Nächstenliebe. Auch dazu ermutigt ein Training gegen Stammtischparolen und es macht Diskussionen bunter.