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Kommentar 05/2016

Ein Versprechen

Von Holger Magel
Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum

Heimat ist in: wie sonst hätte Bayerns Ministerpräsident ein anfangs belächeltes, inzwischen aber geachtetes Heimatministerium eingerichtet? Heimat als politische Antwort auf die fortschreitende Globalisierung?

Weltoffen(er) müssen unsere Städte und Dörfer zwangsläufig werden, anlässlich globaler Flüchtlingskrisen und Naturkatastrophen, durch die Menschen aus anderen Kulturen und Erdteilen Zuflucht und neue Heimat in Deutschland suchen. Das ist nicht leicht, denn es berührt bei vielen ihren bisherigen (gefühlten) Heimatbegriff. In der Hitliste der Megatrends des Zukunftsforschers Matthias Horx kommt an prominenter Stelle die Globalisierung vor, nicht aber die Begriffe Identität, Heimat, Traditionsbewusstsein. Irrelevant, schlicht vergessen oder versteckt in new local oder Glokalisierung? Wie passt das zusammen mit der erwähnten Entwicklung in Bayern, wo Heimat schon fast ein Staatsziel geworden ist?

Was genau ist gemeint? Heimat, wie sie war oder wie sie gesteuert oder ungesteuert entwickelt werden soll? Dazu gibt es eine Antwort in McKinseys Studie „Bayern 2025. Alte Stärken neuer Mut“. Zum Thema ist zu lesen: „Zu Bayerns Stärken zählen Traditionsbewusstsein und Heimatverbundenheit – und das soll auch künftig so bleiben. Die bayerischen Werte müssen im globalen Wettbewerb offensiv verteidigt werden. Die Politik muss ‚rote Linien‘ festlegen, die die Bevölkerung zum Wandel ermutigen und gleichzeitig die Identität bewahren. […] Bayern ist gut, ist aber auf die sich abzeichnenden Veränderungen noch nicht ausreichend vorbereitet.“

Vieles daran ist richtig. Aber was heißt ausreichend vorbereitet? Vorbereitet auf eine Zukunft, die mehr denn je von Flüchtlingen und damit gesellschaftlichen Herausforderungen geprägt sein wird? Vorbereitet auch auf insgesamt zunehmende wirtschaftliche und soziokulturelle Veränderungen? Viel zu viel hört man nur von ökonomischer, viel zu wenig von einer ebenso notwendigen soziokulturellen Resilienz, die auf Toleranz gründen muss.

All das führt dazu, dass das Thema Regionale Identität als Sammelbegriff für ökonomische, ökologische und sozialkulturelle Veränderungen momentan einen Hype erlebt. Immer ist damit Heimat in einer sich verändernden Welt verbunden, sichtbar oder unsichtbar. Es geht um Menschen, ihr Zusammenleben, ihre Siedlungen und Landschaften und ihre Geschichten.

Der Architekt und Philosoph Wilhelm Landzettel und die Kulturanthropologin Erika Haindl haben in ihrer Schrift „Heimat – ein Ort irgendwo?“ vor mehr als 20 Jahren bereits allen Bürgermeistern, Heimatpflegern und Dorfentwicklern zeitlose, im täglichen Geschäft leider vergessene Mahnungen mitgegeben: „Die Heimat, die jeder Mensch braucht, kommt zu ihrem sichtbaren und greifbaren Ausdruck an Orten, die sich einprägen. Der Zusammenhang solcher Erinnerungs- und Fühlorte in Dorf und Landschaft mit dem Leben der Menschen prägt die Vorstellung von Heimat und Identität. Diese Orte sind es, die bei allen Planungen beachtet werden müssen, um nicht das innere Gleichgewicht eines Lebensraumes zu zerstören“. Es geht letztlich im Sinne von Hermann Bloch um die Heimat von Alt- und Neubürgern aus Nah und Fern, um Heimat als ein Versprechen.