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  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Schwerpunktthema 04/2014

Über sieben Brücken musst Du gehen

Genau gezählt habe ich nicht, aber in den fünf Tagen in Regensburg habe ich sicher mehr als sieben Mal diverse Brücken und Stege überschritten. Und die Katholikentagsteilnehmer waren überwiegend zu Fuß unterwegs in Regensburg, ein schönes Bild für eine „Kirche unterwegs“, für das pilgernde Gottesvolk.

Von Thomas Jablowsky
Redaktionsleiter

Die Teilnehmer – darunter etwa acht Prozent Evangelische Christen – waren unterwegs zu einer Fülle von Angeboten, nicht nur zahlenmäßig, sondern auch inhaltlich. Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), betonte während des Katholikentages, dass „der Katholikentag ein Spiegelbild der Vielfalt der Lebenssituationen und der Lebenswege, der Vielfalt der Glaubenswege und der Ausdrucksformen unserer Frömmigkeit“ ist. Brücken zu bauen innerhalb dieser Vielfalt ist eine Aufgabe und eine Chance des Katholikentages, eine Aufgabe, die in den Alltag der Pfarreien mitgenommen werden sollte.

So gilt das Motto des Katholikentages sicher über die Tage in Regensburg hinaus. „Mit Christus Brücken bauen“ kann ein Leitbild werden für eine Kirche, die den Dialog miteinander sucht, die aber noch vielmehr eine Kirche ist, die für die Welt da ist. Alois Glück: „Das zentrale Anliegen des Katholikentags war von Beginn an die Mitverantwortung der Christen für die Lebensbedingungen und die Lebenschancen der Menschen. In den kommenden Tagen wollen wir uns der Herausforderung stellen, wie wir als Christen aus unserem Glauben und in Verantwortung vor Gott und den Menschen an der Gestaltung einer friedlichen, gerechten und menschenwürdigen Welt mitwirken können.“

Joachim Gauck hat sich in seiner Begrüßung als evangelischer Christ bekannt und herausgestellt, dass die Aufgaben der Kirchen in Zukunft nur gemeinsam zu lösen seien: „Wir Christen, wir Mitglieder der Kirchen müssen wissen, dass wir in den Staat und die Gesellschaft hinein nur mehr wirken können, wenn wir möglichst mit einer Stimme sprechen. Wenn wir als Christen möglichst eindeutig zu erkennen geben können, wofür wir stehen, was wir zu sagen haben, wozu und wovon wir Zeugnis geben wollen.“ Die Brücke der Ökumene sei eine der „wichtigsten und kostbarsten geistigen Konstruktionen der vergangenen Jahrzehnte“, so Gauck.

Das breite Spektrum der Angebote, des Brückenbauens, des Miteinander Redens und Ringens war eingerahmt von zwei großen Gottesdiensten mit jeweils vielen tausend Teilnehmern.

Dazu bedarf es aber besonders Brücken vom Glauben her in die säkulare Gesellschaft. Bundespräsident Joachim Gauck erinnerte daran bei der Eröffnung vor der Kulisse des Domes: „Sind hier überhaupt Brücken zu bauen? Gibt es daran ein Interesse? Besteht nicht die säkulare Gesellschaft genau aus solchen, die bewusst und entschieden die Brücken zur Religion abgebrochen haben? Soll man sie mit einem Neubau belästigen? Oder ist es vielleicht sogar notwendig und unerlässlich, gerade hier Brücken zu bauen? Um beider Seiten willen?“ Schwierige Fragen, die auch auf einem Podium mit dem Bundespräsidenten besprochen wurden.

In seiner Predigt hat der gastgebende Bischof Rudolf Voderholzer das Motiv des Gehens aus dem Evangelium von Christi Himmelfahrt aufgegriffen: „Was meint Jesus, wenn er seine Jünger und damit die Christen aller Zeiten auffordert: ‚Geht!‘? ‚Gehen‘ heißt: ‚Nicht sitzen bleiben‘, allzu viele innerkirchliche ‚Sitzungen‘ halten oder sich einsperren, auch nicht nur gebannt in die Luft starren, sondern gehen. Aufbruch ist angesagt!“ Der Katholikentag bringe in Erinnerung: „Du bist gesandt, Du hast eine Mission, Du bist beauftragt, den Glauben zu verkündigen …!“Das gelte für jeden Christen, der, so der Regensburger Bischof, schon durch die Taufe und die Firmung befähigt und beauftragt sei: „Geht, geht zu allen. Jesus, der Brückenbauer, braucht auch Dich und mich. Baut mit ihm an der Brücke zwischen Gott und den Menschen und der Menschen untereinander.“ Der Katholikentag, der die besondere Sendung aller Laienchristen in den Blick rückt, wolle die vielen Richtungen aufzeigen, in die es heißen kann: Geht zu allen.

Beispielhaft nannte der Bischof die Kranken, Flüchtlinge und Heimatlosen und forderte auf: „Geht in die Schulen. Geht in die Hochschulen und Universitäten! Geht in die Redaktionsstuben der Zeitungen und in die Funkhäuser! Geht in die wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten und in die Wirtschaft und Industrie! Geht in die politischen Parteien!“ Bischof Voderholzer forderte speziell junge Menschen auf, ihre mögliche Berufung zum politischen Engagement zu entdecken und umzusetzen.

BRÜCKE IN DEN ALLTAG ZURÜCK

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, stand dem Abschlussgottesdienst als Hauptzelebrant vor. Der Gottesdienst unter dem Leitwort „Hinein ins Leben“ sollte eine Brücke zurück in den Alltag sein. Der Kardinal erinnerte in seiner Predigt an die Botschaft von Papst Franziskus, es könne keine Verkündigung des Evangeliums geben, wenn nicht die Brücke hin zu den Armen, Kranken und Schwachen geschlagen werde. Christ zu sein sei eine Herausforderung; niemand solle sich dafür schämen. Deshalb möge von Regensburg die Botschaft ausgehen: „Ja, ich bin Christ und ich bin es gerne.“

Marx sagte, es sei gut, dass die Kirche eine vielfältige Gemeinschaft sei, in der unterschiedliche Formen der Frömmigkeit und des Engagements Platz finden. Diese Pluralität spiegele sich auch auf den Katholikentagen wider. All diese unterschiedlichen Ansätze aber würden zusammengeführt im Glauben an Jesus Christus und in den gemeinsamen Gottesdiensten. Ziel aller Aktivitäten sei es, die Liebe Gottes zu verkünden und das Reich Gottes unter den Menschen aufscheinen zu lassen.

Die Tage in Regensburg mit dem vielfältigen und reichhaltigen Programm sollten zu diesem Ziel hinführen. Als Katholikentagsbesucher musste man zwangsläufig auswählen. So wurde der Katholikentag zur Stärkung, wenn man die Themen suchte, mit denen man sich sowieso schon befasst. Und er konnte zu Neuentdeckungen führen, wenn man sich einließ auf Unbekanntes, Kurioses oder einfach nur Interessantes am Wegesrand. Einen wirklichen Überblick kann angesichts der Fülle niemand mehr haben.