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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Kommentar 04/2014

In der Mitte der Kirche angekommen

Von Alois Glück
Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

Der Regensburger Katholikentag war ein guter Katholikentag. Und gerne füge ich hinzu: Es war ein besonderer Katholikentag – Gott und den vielen, die hieran mitgewirkt haben, sei Dank. Ich meine nämlich, jeder Katholikentag sollte ein besonderer sein, denn Katholikentage müssen immer wieder anders und immer wieder neu gedacht und gemacht werden. Nichts wäre langweiliger, als mit der Blaupause unter dem Arm von Stadt zu Stadt zu ziehen.

Katholikentage sind ja nicht Selbstzweck, sondern sie haben eine Funktion: Sie sollen der Zeitansage in sich wandelnden Zeiten dienen, sie sollen die kritische Auseinandersetzung mit all den Fragen ermöglichen, die uns in unserer Kirche und in unserer Gesellschaft täglich beschäftigen. Diese Fragen ändern sich und neue Fragen verlangen neue Antworten. Auf den Katholikentagen kommen wir Christen zusammen, um im Dialog untereinander und im gemeinsamen Ringen mit vielen Menschen guten Willens nach solchen Antworten zu suchen und um zur Lösung der Herausforderungen unserer Tage beizutragen.

Nach 30 Jahren war der Katholikentag wieder in Bayern zu Gast. Was war dieses Jahr anders als damals? Auch der 88. Deutsche Katholikentag 1984 in München war ein besonderer: Er war besonders groß und er war besonders vielgestaltig. Darin spiegelte sich eine Entwicklung jener Zeit: Nach Konzil und Synode war unsere Kirche – wie schon unsere gesamte Gesellschaft zuvor – vielgestaltiger und pluraler geworden. In den folgenden Jahrzehnten war das Ringen um das rechte Maß an Einheit in der Vielfalt ein ständiges Thema bei Katholikentagen. Aber wir haben gut daran getan und viel dabei gelernt, die Menschen mit ihren Fragen, auch mit ihren kritischen Anfragen an unsere Kirche, ernst und damit hinein zu nehmen in unsere Veranstaltungen und Programmangebote.

Dadurch haben die Katholikentage seit den 1980er Jahren, davon bin ich zutiefst überzeugt, eine beispielhafte Integrationsleistung vollbracht. Themen, mit denen unsere Kirche lange „gefremdelt“ hat, sind heute in der Mitte unserer Katholikentagsprogramme zu finden. Das gilt übrigens für alle Seiten des innerkirchlichen Spektrums: Gerade mit dem Regensburger Katholikentag wurden aktiv und bewusst Brücken in alle Richtungen geschlagen. Beispielhaft zu nennen wäre etwa die Diskussionsveranstaltung um Donum Vitae. Ich bin froh, dass es gelungen ist, in einer weitgehend sachlichen Atmosphäre und mit Respekt vor der persönlichen Haltung aller Beteiligten dieses immer noch schwierigen Themas zu besprechen.

Wertvolle Beiträge gab es in Regensburg auch zu jenen Themen, die derzeit im Dialogprozess unserer Kirche diskutiert werden: zur Rolle der Frauen in unseren Kirchen, zu Fragen eines neuen Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen, zur Überprüfung mancher kirchlicher Sichtweisen auf Liebe und Sexualität. Vieles davon wäre so vor 30 Jahren noch schwer vorstellbar gewesen. Auch hätte es damals noch niemand für notwendig befunden, über sich ändernde Anforderungen an die Seelsorge in neuen pastoralen Räumen nachzudenken. Heute aber ist die Lage unserer Kirche eine andere und deshalb haben wir in Regensburg hierüber sehr intensiv diskutiert und dem Themenkomplex „Kirche vor Ort und auf dem Land“ sogar ein eigenes Zentrum gewidmet.

Gut und wichtig war es, dass viele Bischöfe unserer Einladung gefolgt waren und wir gemeinsam mit ihnen und vor aller Öffentlichkeit diese Fragen, die für die Zukunft unserer Kirche von großer Bedeutung sind, besprechen konnten. Das hat vielen Mut gemacht und es wurde vielleicht manche neue Brücke geschlagen, die für die Zukunft tragfähig ist. Und ein Geschenk für den Regensburger Katholikentag war ganz sicher auch der neue Papst. An vielen Stellen war seine Vision von einer den Menschen zugewandten Kirche präsent. Dass viele der Themen, die Papst Franziskus mit seiner Enzyklika „Evangelii gaudium“ anspricht, schon im Planungsprozess für diesen Katholikentag eine Rolle gespielt hatten, erwies sich als großer Glücksfall. Auch das war eine Regensburger Besonderheit.