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  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Meditation 02/2014

Nur weil sie jung sind

Von Christian Liebenstein

„ … und es genügt mir zu wissen, dass ihr jung seid, um euch überaus zu lieben.“ schrieb Don Bosco seinen Jugendlichen. „Seine Jugendlichen“ waren Jungs, die oft ohne familiären Rückhalt in der aufstrebenden Industriestadt Turin lebten, die sich mühten, sich in einer Lehre oder mit einer Arbeit irgendwie durchzuschlagen, die nicht in die damaligen bürgerlichen und kirchlichen Strukturen passten und die daher für schwierig, manchmal für gefährlich gehalten wurden.

„Es genügt mir zu wissen, dass ihr jung seid, um euch überaus zu lieben.“ Diese Haltung war Don Boscos Schlüssel zu den Jugendlichen. Er sah zunächst ihre Fähigkeiten und ihr Potenzial – und dann auch die Seiten, die der Reifung oder der Besserung bedurften. Aus dieser Liebe heraus verbrachte er zunächst die Sonntage mit ihnen, spielte, organisierte Ausflüge und sorgte dafür, dass zu Essen da war. Auf dieser Grundlage konnte er den Katechismus vermitteln und Gottesdienste feiern, die ihrer Seele Nahrung gaben. Diese Liebe gab ihm die Fähigkeit, an jedem Jugendlichen den Punkt zu finden, an dem er ansprechbar war. Und sie ließ ihn sein Leben von früh bis nachts mit den Jugendlichen teilen. „Es genügt mir zu wissen, dass ihr jung seid, um euch überaus zu lieben.“ Es ist bewundernswert, wie Don Bosco das gelebt hat – und es ist für uns eine Herausforderung, Jugendliche zu lieben, einfach weil sie jung sind und weil sie Erwachsene brauchen, die zu ihnen stehen.

Jugendliche zu lieben heißt, gern mit Ihnen zusammen zu sein und Interesse an ihrem Leben zu haben. Es heißt, Zeit zu haben zum Quatschen, Feiern, Spielen: „Einfach so“ da sein. Da sein für die Jugendlichen – und nicht gleich die nächste Aktion im Blick zu haben oder zu überlegen, wer von ihnen hier oder dort noch mitmachen könnte. Glücklich, wer die Freiheit und die Gabe hat, so unverzweckt da zu sein. Jugendliche zu lieben heißt, auf Augenhöhe mit ihnen zu sprechen. Ihre Anfragen und Kritik ernst zu nehmen, auch wenn das eine oder andere unausgegoren erscheint. Auch wenn sie provozieren wollen.

Jugendliche zu lieben heißt, Raum zu schaffen, für den es keine Eintrittskarte braucht: Raum, der für möglichst viele offen ist, ein Raum, der nicht durch Programme geprägt ist, sondern die Möglichkeit sich zu treffen, zu feiern, zu spielen und Spaß zu haben, bietet. Und zu glauben, dass in diesem Raum schon der Geist Gottes wirkt.

Jugendliche zu lieben heißt, mit ihnen zu planen und zu entwickeln und eigene Vorstellungen und Ideen hintan zu stellen. Es heißt ihnen Schritt für Schritt Verantwortung zu übertragen, sie dabei zu begleiten und damit zu rechnen, dass manches erst das zweite oder dritte Mal klappt.

Jugendliche zu lieben heißt auch: Konflikte mit ihnen auszutragen. Beispielsweise sie freundlich, bestimmt und geduldig anzuhalten, sich an die Regeln, die im Pfarrheim gelten, zu halten. Und ihnen gleichzeitig zu vermitteln, dass sie hier Platz haben, den ihnen niemand streitig macht. Dass hier ihr Platz ist und es schön ist, dass sie da sind. Das ist der „Dienst des Streitens“ – ein mühsamer und sehr notwendiger Dienst.

Jugendliche brauchen mehr als Wohlwollen und Sympathie und als große Worte, dass sie die Zukunft der Gemeinde oder der Kirche seien. Sie sind die Gegenwart – so wie sie gerade sind. Sie warten auf aktives Interesse, sie müssen spüren, dass wir ihnen was zutrauen, und müssen erfahren, dass sie Fehler machen dürfen.

Als Don Bosco, nachdem die Gemeinschaft schon größer geworden war, bei seinen Salesianern die Tendenz beobachtete, dass sie sich vom Mitsein mit den Jugendlichen zurückzogen, dass die ihr Spiel und ihre Freizeit mehr beobachteten, als mitten drin waren, schrieb er ihnen: „Es reicht nicht, dass die Jugendlichen geliebt werden, sondern sie müssen diese Liebe auch spüren!“