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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Kommentar 01/2016

Kirche und ländlicher Raum – was wird bleiben?

Von Josef Rottenaicher
Diözesanrat im Bistum Passau

Der ländliche Raum ist kein einheitliches Gebilde. Da gibt es zum einen ländliche Regionen im Umland der großen Ballungszentren mit großem Siedlungsdruck und breiartig ausufernden Wohn- und Gewerbegebieten, zum anderen ländliche Gebiete in peripheren Regionen abseits von wirtschaftlichen Entwicklungsachsen und ländliche Räume dazwischen. Gemeinsam ist all diesen Lebensräumen und damit den darin lebenden Menschen, dass sie in den vergangenen Jahrzehnten einen gewaltigen Strukturwandel durchlaufen haben. Dieser hat natürlich auch mit uns als Kirche zu tun.

Die Erfahrungswelt der Menschen war seit urdenklichen Zeiten bis hinein ins 20. Jahrhundert natürlich sehr stark bäuerlich geprägt: Lebenslauf im Wechsel der Jahreszeiten, ausgeliefert den Kräften der Natur, Bräuche, religiöse Formen und Riten. Schon die Bibel des Alten und Neuen Testaments kannte demzufolge eine geradezu „agrarpastorale“ Sprache, wie es Erzbischof Aloys Hoser von Warschau- Praga einmal nannte.

Heute ist die bäuerliche Bevölkerung auch auf dem Land eine kleine Minderheit und die Abhängigkeiten von der Natur wurden (scheinbar) durch Technik, Züchtungsfortschritt, Chemie und Hagelversicherung ersetzt.

Weithin wird in kirchlichen Kreisen die abnehmende Glaubenspraxis und Kirchlichkeit, vor allem gemessen an der Teilnahme an der sonntäglichen Eucharistiefeier, beklagt. Aber auch der andere Blick ist wahr: Wann gab es jemals in der Kirchengeschichte so viele Mitträger von Verantwortung wie Lektoren, Kommunionhelfer, Tischmütter und -väter, Firmhelfer, Wortgottesdienstleiter, Bibelkreise, Gebetsgemeinschaften, Verbandsverantwortliche? Ein Blick in die Lokalzeitungen lehrt: würde man alle Berichte mit kirchlichem Bezug herausstreichen, könnten die Zeitungsverlage sofort zusperren. In der Allgäuer Untersuchung „Netzwerk Kommune – Kirche – Gesellschaft“ in 18 Pfarreien und acht Kommunen wurden mehr als 5.000 kirchliche Aktivitäten von 225 kirchlichen Einrichtungen und Gruppierungen bei 4.200 aktiv Mitwirkenden gezählt.

Wie werden Glaube und Kirche im ländlichen Raum im Jahr 2050 aussehen? Klimawandel, Energie- und Rohstoffwende sowie die dramatische demographische Entwicklung bringen erhöhte Herausforderungen, aber auch Chancen in unsere Dörfer. Zu nennen sind hier sich entleerende Gebiete und eine alternde Bevölkerung einerseits, sowie massive Zuwanderung, auch aus anderen Kulturkreisen andererseits. Gerade darin werden sich die Stärken des Landes zeigen: Gemeinschaft, Zusammenhalt, Toleranz, Integrationskraft. Basis hierfür ist das christliche Menschenbild, das in jedem Menschen das Ebenbild Gottes sieht.

Aber natürlich gilt auch bei allen Veränderungen: Man soll uns Christen nicht nur an der sonntäglichen Messfeier erkennen – aber wenigstens daran.