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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Praxistipp 06/2016

Wöchentlich gibt's frisches Obst
Würzburger ehrenamtliche verteilen regelmäßig Gesundes an Flüchtlingsfamilien

Von Pat Christ
Freie Journalistin

Links vom Eingang drängen sich etwa 30 Frauen, die meisten von ihnen tragen ein Kopftuch. Rechts stehen Männer in einer Reihe. Viele haben Kinder bei sich. Martin Ehl beginnt, Farbkärtchen an die Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft (GU) zu verteilen. Die einen bekommen ein blaues, die anderen ein rotes Kärtchen. Später werden die einzelnen Farben aufgerufen. Wer das entsprechende Kärtchen hat, darf hineingehen und sich Artischocken, Tomaten, Bananen und Gurken holen. Seit drei Jahren verteilen Ehrenamtliche, die rund um die Flüchtlingsunterkunft wohnen, an jedem Montagabend Obst und Gemüse an Flüchtlingsfamilien. Die Idee kam in der ökumenischen Nachbarschaftshilfe der Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal auf. „Wir dachten, es wäre doch eine gute Idee, einmal mit den Frauen aus der Gemeinschaftsunterkunft zu kochen“, erzählt Christiane Ehl.

Mit Gemüse beladen kamen einige Mitglieder der Nachbarschaftshilfe im Jahr 2013 erstmals zu den Flüchtlingsfrauen. Dort stellten sie allerdings fest, dass es keine geeignete Küche gibt. „Doch das Gemüse wurde uns förmlich aus der Hand gerissen“, erinnert sie sich.

Flüchtlingsfrauen mit Kindern haben einen großen Bedarf an gesunden Lebensmitteln, berichtet die 69-jährige Protestantin: „Sie können nicht einfach zur Würzburger Tafel gehen.“ Die ist in einem weiter entfernten Stadtteil untergebracht. Es dauert etwa eine Stunde, dorthin zu laufen. Geld für ein Busticket haben die Frauen nicht. Durch ihre kleinen Kinder sind sie auch nicht flexibel: „Es wäre ihnen ohnehin nicht zuzumuten, die schweren Taschen so weit zu schleppen.“

Die Initiatoren des Verteiltreffs überzeugten bald andere, einmal in der Woche mit in die Unterkunft zu kommen und dort gesunde Lebensmittel auszugeben. Längst hat sich die Initiative aus der Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal herausgelöst. Menschen wie Claudia Hahn, die nicht viel mit Kirche zu tun haben, engagieren sich regelmäßig. Für die 45-Jährige ist es selbstverständlich, Mitmenschen zu helfen. Die Begegnung mit den Flüchtlingen findet sie überaus bereichernd: „Vieles ist in deren Kultur anders. So geben sich Muslime aus hygienischen Gründen nicht die Hand. Das finde ich eigentlich ganz gut.“

Ronja Goj gehört zu den jüngsten Mitgliedern der Initiative. Die 24-Jährige ist stark in der Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal engagiert, kümmert sich dort unter anderem um das Sternsingerteam. Wann immer sie Zeit hat, hilft sie mit, zuvor in Geschäften eingesammeltes Obst und Gemüse zu verteilen: „Sich für Flüchtlinge einzusetzen, halte ich für sehr wichtig.“

„Der religiöse Hintergrund der Helfer spielt bei uns keine Rolle“, betont Annemarie Sperling, die zu Jahresbeginn durch ihre Freundin Christiane Ehl zur Verteilaktion stieß. Menschen, die gern in die Kirche gehen, engagieren sich gemeinsam mit Menschen, die nicht religiös sind. Für die 77-jährige Katholikin Sperling ist es aufgrund ihres christlichen Glaubens selbstverständlich, Menschen zu unterstützen, die nach Deutschland geflohen sind. Sperling hat eine ausgeprägte Sozial-Ader: „So lange man die Kraft hat, anderen zu helfen, sollte man dies auch tun.“ Martin Ehl erlebt die Einsätze bei der Verteilaktion sogar als beruflich wertvoll. Der 68-Jährige ist Psychotherapeut: „Deshalb beschäftige ich mich mit dem Fremden im Menschen.“ Und der Frage, warum „das Fremde“ eigentlich so oft abgelehnt wird.