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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Kommentar 06/2016

Zeit ist Geld - auch im Ehrenamt

Von Elfriede Schießleder
Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes in Bayern

Fast höre ich das Stöhnen unserer Engagierten, ein sehnsuchtsvolles „Ja“, wer möchte das nicht. Zeit haben für’s Ehrenamt! Mehr Zeit, nicht für mich, nein, für eine erfüllende Tätigkeit zum Wohl aller!

In unserer Arbeitswelt ist Zeit Geld – bei immer größerer Flexibilität und Verfügbarkeit. Gab früher die klassische Taktung von 7 bis 17 Uhr relativ einheitlich Zeit für Familie, Ehrenamt und Hobbies, so erleben wir heute einen mitunter beängstigend fluiden Rhythmus. Eine schöne neue Welt beschert uns 24 Stunden Einkaufsspaß, Fitnessmöglichkeiten und Kultur. Nicht alles flächendeckend, nicht jeden Tag, aber vorhanden, wenn man will.

Wo die gemeinsame Taktung von Freizeit verloren geht, schwindet auch die Möglichkeit, gemeinsame Versammlungszeit zu finden. Dazu stehen Vorstände heute einer geradezu professionellen Erwartungshaltung gegenüber. Sicher heißt Ehrenamt Verlässlichkeit und gute Leitung, doch auch hier ist Zeit Geld. Angefangen vom Vorstrecken der Fahrt- und Telefonkosten, Aufwendungen fürs angemessene Outfit und die Zeitressourcen der Vor- und Nachbereitung, die bei höheren Positionen schon mal mehrere Tage im Monat umfassen.

Eine unausrottbare Mär besagt, Ehrenamt und Geld widersprächen einander. Gepflegt wird das besonders unter Katholiken und bei Frauen. Wissenschaftlich ist jedoch längst klar, dass Ehrenamt nie kostenlos zu haben ist. Der Preis ist neben der Substanz der Engagierten meist auch ein Teil der Familienfinanzen. Das birgt Sprengstoff und gefährdet zuletzt nachhaltiges und verlässliches Wirken. Was im Bereich des freiwilligen Engagements und auf staatlicher Ebene längst unbestritten ist, gilt es nun auch im kirchlichen Bereich anzuerkennen: Ehrenamt braucht Hauptamt, umgekehrt bekommt man nur zukunftslose Flickschusterei. So frenetisch das moderne Engagement, projekthaft, initiativ und auf individuelle Situationen bezogen, gefeiert wird, es hält selten vor. Wer’s bezweifelt, blicke auf den Einsatz der Studenten beim Passauer Hochwasser. Ohne THW, ohne Feuerwehr, Rotem Kreuz und Frauenbund wäre ihr Engagement allein schon am mangelnden Knowhow von Katastrophenhilfe verpufft. Der Einsatz dieser guten alten Verbände aber scheint selbstverständlich – was er niemals ist!

Ihre Arbeit braucht Sicherheit, und das ist verbunden mit Geld. Möglicherweise beflügeln Beispiele aus Justiz und Wirtschaft: ehrenamtliche Schöffen erhalten monetären Anerkennung. Auch Prüfer in Industrie und Handwerk sind ehrenamtlich, ebenso eine große Anzahl unserer Stadt- und Gemeinderäte – Aufwandsentschädigungen schaden deren Engagement offensichtlich nicht. Warum dann dieses Tabu unter uns Christen? Weil Geld stinkt? Im Gegenteil: Finanzielle Anerkennung ersetzt in keiner Weise die Existenzsicherung der Erwerbsarbeit. Ehrenämter ohne Entschädigung aber reduzieren Engagement wieder zunehmend auf Wohlhabende, Rentner oder gut versorgte Ehepartner. Demokratisch ist das nicht. Zukunftsfähig auch nicht. Es geht um Beteiligungsgerechtigkeit.