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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Praxistipp 06/2014

Unermüdliches Friedensengagement

Von Pat Christ
Freie Journalistin

Kein Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt irgendwelche Geschütze feuern. Wir leben in unfriedlichen Zeiten – und das schon seit sehr langem. Vor 30 Jahren machten sich deutschlandweit Menschen auf, um gegen Aufrüstung und Militarisierung zu protestieren. Auch in Würzburg. Studierende, die sich aus der katholischen und evangelischen Hochschulgemeinde kannten, gründeten 1984 die Initiative „Sand im Getriebe“. Aus ihr ging vor 25 Jahren der Verein „Ökopax“ hervor.

Sich bei Konflikten um eine friedliche Lösung zu bemühen, dafür setzen sich bis heute etwa eineinhalb Dutzend Vereinsmitglieder ein. Die weltweiten Kriege sind das, was Ökopax am meisten beunruhigt. Wobei „Frieden“ in einem viel umfassenderen Sinn verstanden wird. Der Name verrät, dass es auch und gerade um Konflikte zwischen Mensch und Natur geht. „Wir hatten uns bei der Namensgebung vom Buch ‚Prinzip Leben’ von Petra Kelly und Jo Leinen inspirieren lassen“, berichtet Armin Meisterernst. Dieses Anfang 1988, also ein Jahr vor der Vereinsgründung, erschienene Buch trug den Untertitel „Ökopax – Die neue Kraft“. Eine Granate ist vergleichsweise schnell hergestellt. Ein Baum fällt rasch. Schöpfung zu bewahren und Frieden zu schaffen, das sind langwierige Prozesse. Die, betrachtet man Weltenlauf und Weltlage, keineswegs von Erfolg gekrönt scheinen.

Die Blutspur, die sich durch die Geschichte zieht, wird nicht schwächer. Dennoch 30 Jahre lang bei der Stange zu bleiben, 30 Jahre für einen der Umwelt und den Menschen zuträglichen Frieden zu kämpfen, ist eine beachtliche Sache. „Doch Friedensarbeit braucht einen langen Atem“, betont Ökopax-Mitglied Andreas Schrappe, der als Psychologe im Evangelischen Beratungszentrum in Würzburg tätig ist. „Und kann nur auf der Basis tragender Beziehungen gelingen“, ergänzt Renate Vieth- Laßmann. Wenn sich der harte Kern der Ökopaxler trifft, erzählt sie, wird nicht nur gearbeitet. Das natürlich auch.

TROTZ FRUST WEITERKÄMPFEN

Doch man teilt auch Alltagssorgen und alltägliche Freuden miteinander. Fühlt sich freundschaftlich verbunden. Tauscht sich darüber aus, welchen Weg die Kinder der einzelnen Familien nehmen. Die Treffen, auch das ist für einen Verein etwas Besonderes, finden privat statt.

Sich immer wieder zu motivieren, nicht müde zu werden, für Frieden zu kämpfen – das widerspricht direkt dem Zeitgeist. Heute engagiert man sich, sei es in Pfarrgemeinden oder in Gruppen außerhalb der Kirche, meist in Projekten. Weshalb auch keine Jugendlichen zu Ökopax kommen. Doch die Veranstaltungen, die von Ökopax organisiert werden, ziehen durchaus Menschen an. Allen voran der Würzburger Ostermarsch. An dem beteiligten sich heuer wieder mehr als 100 Friedensaktivisten. Viel beachtet war der Redebeitrag von Ökopax-Mitglied Uta Deitert. Sie ging auf den in den Medien gern in Schwarz-Weiß-Sicht dargestellten Ukraine-Konflikt ein.

In welchem Maße die Politik mit verdeckten Karten spielt, merkte Deitert wieder einmal, als sie sich auf diese Rede vorbereitete. „Um hinter die Kulissen zu blicken, muss man eine Menge recherchieren“, sagt die Pazifistin, die sich als pastorale Mitarbeiterin in der Würzburger Pfarreiengemeinschaft Dürrbachtal engagiert. Aus Mainstream-Nachrichten erfahre man allenfalls die halbe Wahrheit.

MACHTVERSESSEN UND FINTENREICH

Internationale Politik ist machtversessen und fintenreich. Das zeigt sich gerade auch am Ukrainekonflikt. Als die Sowjetunion zusammenbrach, hatte es die EU versäumt, Moskau anzubieten, mit vereinten Kräften das „Gemeinsame Haus Europa“ zu bauen. Uta Deitert: „Stattdessen wurde Russlands Schwäche ausgenutzt, um das Machtungleichgewicht zu erhalten und zu vergrößern.“

Die zunehmende Aufwertung des Militärischen, die neuerliche Sanktionierung von Krieg und Gewalt ist etwas, was die Ökopax-Mitglieder, denken sie darüber nach, zutiefst frustriert. „Die Geschichte der Bundesrepublik ist eine Geschichte der Remilitarisierung“, konstatiert Thomas Schmelter. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es noch die Haltung gegeben: Wir wollen nie wieder eine Waffe in die Hand nehmen! Dann wurde die Bundeswehr gegründet: „Dann gab es plötzlich Atomwaffen.“ Nach der Wende hätte es eine Gelegenheit gegeben, sich mehr um Abrüstung zu kümmern. Diese Chance wurde vertan. Jetzt werden Soldaten wieder in alle Welt geschickt.

Unter dem Druck einer Siegermacht wie den USA demilitarisierte sich Deutschland. Heute ist man militärisch verbündet. Heute kämpft man wieder Seite an Seite in den Krisenregionen dieser Welt.

20. WÜRZBURGER FRIEDENSPREIS

Krieg bedeutet für Ökopax prinzipiell politischer Bankrott. Dass sich Deutschland wieder an vielen Fronten engagiert, daran kann eine so kleine Friedensgruppe nichts ändern. Doch sie kann sich für Frieden im Kleinen einsetzen. Das tut Ökopax durch den Würzburger Friedenspreis, der seit 1995 verliehen wird. Diese von dem Verein angestoßene, lebendige Initiative hat mit dem „Komitee Würzburger Friedenspreis“ inzwischen einen eigenen Träger gefunden. Der verlieh heuer den 20. Friedenspreis an den Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose. Der mutige Priester erregte 2013 unter anderem dadurch Aufsehen, dass er einem Flüchtling Kirchenasyl gewährte.

Echten Frieden gibt es wohl erst am Sankt-Nimmerleins-Tag. Darüber machen sich die Ökopaxler keine Illusionen. „Wir verfolgen eine Uto- pie“, weiß Katharina Schmelter. Nahrung erhält diese Utopie zum Beispiel, wenn Unterschriften für die „Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel“ gesammelt werden. Beim Waffenhandel, so Uta Deitert, geht es ganz gewiss nicht darum, die „Guten“ im Kampf gegen die „Bösen“ zu unterstützen – jedenfalls längst nicht nur. Deitert: „Es geht genauso um freie Märkte und freien Warenfluss, um freie Handels- und Seewege und darum, die Energie- und Rohstoffversorgung zu sichern.“

Die Kooperation zwischen Bundeswehr und Schulministerien ersatzlos aufzukündigen, ist ein weiteres Ökopax-Anliegen. Um dieses Thema ging es kürzlich unter anderen vor knapp zwei Jahren, als Ökopax zum alljährlichen Neujahrsempfang in die Evangelische Hochschulgemeinde einlud. Im Rahmen der Friedensdekade wird regelmäßig eine Andacht veranstaltet. Seit kurzem organisiert Ökopax außerdem einen Volkstrauerabend mit literarischen Texten zu Krieg und Frieden. Der steht bewusst im Kontrast zu den Gedenkveranstaltungen an Kriegerdenkmalen und vollmundigen Friedensbeschwörungen von Politikern.