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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Kommentar 06/2014

Meinen Frieden gebe ich euch

Von Walter Wakenhut
Beauftragter der Bayerischen Bischofskonferenz für das Landeskomitee der Katholiken in Bayern, ehemaliger Militärgeneralvikar

Es sind 25 Jahre, dass die Berliner Mauer gefallen ist. Die dramatischen Ereignisse von damals sind ein Wendepunkt in der Geschichte unseres Volkes. Deutschland ist wieder ein Land, ein Staat. An diesem 9. November ist geschehen, was sich ein Jahr, ja Monate oder gar Tage vorher niemand erwarten konnte. Auf völlig friedliche, gewaltlose Weise vereinigte sich das Volk – wir sind das Volk.

Eine Welt in Frieden und Freiheit schien nach der Auflösung der feindlichen Blöcke des Kalten Krieges auf einmal unmittelbar bevorzustehen. Die Entwicklung verlief freilich anders. Heute schauen wir auf eine Welt, die von Krisen und Kriegen gebeutelt und geplagt wird. Viele – auch in unserer Kirche und unter uns Christen – sehen im Einsatz von Waffen, also unter Anwendung von Gewalt, die einzige Möglichkeit all den Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten ein Ende zu setzen. Sicher wir stehen an einer Grenze und niemand weiß so recht, wie man wieder zu Frieden und Gerechtigkeit, zu Menschenwürde und Menschenrechten für möglichst viele, ja für alle Menschen finden kann.

Die deutschen Bischöfe haben in ihrer Erklärung „Gerechter Friede“ aus dem Jahr 2000 eben diesen gerechten Frieden als Ziel allen politischen und gesellschaftlichen Handelns fest geschrieben. Es geht nicht mehr um einen gerechten Krieg, sondern um den gerechten Frieden. Ein Krieg darf nur das allerletzte, äußerste Mittel sein, wenn wirklich alle anderen Wege erschöpft sind.

Es geht jetzt auch nicht darum Versäumnisse aus der Vergangenheit aufzuzählen oder über eine verfehlte Politik zu diskutieren. Als Christen dürfen wir nach vorne schauen. Wo gibt es eine Hoffnung und wo gibt es keine Zukunft, um das Wort des Propheten Jeremia (29,11) aufzugreifen.

Der auferstandene Jesus hat sich seinen Jüngern mit dem Gruß „Der Friede sei mit euch.“ offenbart. Es wäre zu billig und zu verengend, diesen Friedensgruß auf die innere Befindlichkeit der verängstigten und eingeschüchterten Jünger hinter verschlossenen Türen zu beschränken. Der Friede Christi hat für mich Gültigkeit für alle Bereiche unseres Lebens. Und so stellt sich für uns die wesentliche Frage, was tun wir dafür, dass dieser Friede Christi, den wir ja einander auch in jeder Eucharistiefeier wünschen, Realität wird. Um diesen Frieden geht es ja nicht nur in Syrien und im Irak und in all den anderen Ländern der Erde, die ihn entbehren müssen. Da geht es nicht um einen „Lifestyle- Pazifismus“, sondern um unseren ureigenen Auftrag als Christen für diese Welt. Hier müsste die Kirche, müssten wir Christen unseren Platz in der Welt von heute haben. Hier gilt es Freude und Hoffnung, vor allem aber die Trauer und die Angst, besonders der am meisten Bedrängten, zu teilen, wie uns die Väter des Konzils mahnen.

Vor 25 Jahren haben die Menschen in Mitteldeutschland eine friedliche Revolution in der friedlosen Ära des Kalten Krieges geschafft; viele waren aus einer tief christlichen Überzeugung dabei; die Kirchen boten ihnen Heimat und Geborgenheit. Diese gute Erfahrung von damals müsste uns allen Mut machen, diesen anderen Weg der Gewaltlosigkeit zu gehen, ihn aber nicht nur von den Politikern und Staatsmännern zu fordern, sondern da zu beginnen, wo für gewöhnlich der Ernstfall ist: in der kleinen Welt unserer Familien und Freundeskreise, unserer Vereine und Verbände und des Arbeitsplatzes.

Beherzigen wir, was Papst Franziskus in Evangelii gaudium (99) schreibt: Die Christen aller Gemeinschaften der Welt möchte ich besonders um ein Zeugnis brüderlichen Miteinanders bitten, das anziehend und erhellend wird. Damit alle bewundern können, wie ihr euch umeinander kümmert, wie ihr euch gegenseitig ermutigt und wie ihr einander begleitet: »Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt«. Das ist es, was Jesus mit intensivem Gebet vom Vater erbeten hat: »Alle sollen eins sein … in uns … damit die Welt glaubt«.