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Praxistipp 05/2015

Unterwegs im virtuellen Wirtshaus

Einsteigen in Soziale Netzwerke: Eine Anleitung

Von Maike Bruns
Social-Media-Redakteurin im Erzbistum Bamberg

„Was sind soziale Medien eigentlich genau?“, „Warum sollen wir bei Facebook und Co mitmachen?“, „Wer soll die ganze Arbeit leisten?“, „Müssen wir denn überall dabei sein?“ und „Ist das alles nicht viel zu gefährlich?“ – Fragen über Fragen stellen sich den Öffentlichkeitsverantwortlichen vor Ort in den Pfarrgemeinden, wenn sie mit dem Bereich Soziale Medien (engl. Social Media) in Kontakt kommen. Die Befangenheit ist angesichts der vielen verschiedenen Tools, Apps und Netzwerke groß und Anleitungen oder Hilfestellungen zum Umgang mit ihnen sind noch recht rar gestreut.

Was sind denn nun diese Soziale Medien? Der schönste Vergleich, den ich bisher gefunden habe, ist: Soziale Medien sind virtuelle Wirtshäuser. Man trifft sich mit Freunden, tauscht Gedanken, Gefühle, Fotos aus, informiert sich über die neuesten Geschehnisse in der Welt, diskutiert über dies und das, hinterlässt hier und da einen Kommentar, trifft neue Menschen. Im Prinzip sind Soziale Medien also kein sonderlich neuer Trend, sondern nur die Umsetzung menschlicher Bedürfnisse in die digitale Welt. Verständlich also, dass es für diese vielen unterschiedlichen Bedürfnisse auch ganz unterschiedliche Apps, Tools und Netzwerke gibt. Für den schnellen Nachrichtenaustausch mit Freunden bieten sich WhatsApp, Threema und Co an, telefoniert werden kann beispielsweise über Skype. Um Familie und Freunde mit Informationen auf dem Laufenden zu halten gibt es Facebook, Twitter oder Blogs, für den Austausch von Bildern, Filmen und Musik sorgen unter anderem Instagram, Soundcloud, You- Tube oder Spotify und Spiel und Spaß gibt‘s nicht zuletzt mit Candy Crush. Diese Liste könnte nahezu endlos fortgesetzt werden – ein Blick in die verschiedenen App-Stores reicht aus. Warum sollten Pfarreien sich an diesen Formen der Kommunikation beteiligen? Ein Blick auf ein paar Zahlen und Fakten beispielsweise zu Facebook hilft, diese Frage sehr schnell und eindeutig zu beantworten: Mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland nutzen Facebook, mehr als 50 Prozent von ihnen loggen sich mehrmals täglich ein. Auf der Rangliste der wichtigsten Webseiten in Deutschland folgt Facebook direkt auf die Suchmaschine Google. Auf der anderen Seite besuchten 2014 im Durchschnitt nur noch 2,6 Millionen Menschen in Deutschland einen katholischen Gottesdienstdienst, bei 23,9 Millionen Katholiken. Die Gesamtzahl der Katholiken sinkt kontinuierlich, Jahr für Jahr. Wenn katholische Kirche also weiterhin eine Kirche mitten unter den Menschen sein möchte und Pfarrgemeinden gemäß ihres missionarischen Auftrags auf Öffnung ausgerichtet bleiben und insbesondere auch Nichtkatholiken mit ihrer Arbeit erreichen wollen, führt kein Weg daran vorbei, sich mit der Öffentlichkeitsarbeit dorthin zu begeben, wo die Menschen sich aufhalten – also auch in die Welt der Sozialen Medien.

Wollen Sie als Pfarrei oder Gruppe in diese Welt einsteigen, dann sind folgende Schritte wichtig:

SCHRITT 1 Zu Beginn sind verschiedene Fragen zu klären: Was sind die Zielsetzungen der Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Pfarrei? Welche Zielgruppen möchten Sie erreichen und womit? Auf welchen Kanälen halten sich diese anvisierten Zielgruppen auf und welche Informationen sollen sie bekommen?

SCHRITT 2 Wenn die vorherigen Fragen geklärt sind, geht es nun darum, die Kanäle festzulegen, über die Sie informieren und mit Menschen in Kontakt treten möchten. Das kann beispielsweise WhatsApp innerhalb der Kinder- und Jugendarbeit sein, oder Facebook, um über eine Fanseite Präsenz zu zeigen, Ansprechmöglichkeiten zu bieten und Neuigkeiten oder Nachrichten zu übermitteln oder auch Youtube und Instagram, wo Sie Bilder und kleine Videoclips mit Eindrücken aus dem Gemeindeleben teilen können.

SCHRITT 3 Die Pflegefrage muss geklärt werden. Lebendige Fanseiten und Kanäle kosten viel Zeit und Energie, deswegen ist es hilfreich, die Pflege auf mehrere Schultern zu verteilen und genau festzulegen, wer wann für was zuständig ist. Bei einer Facebook-Fanseite beispielsweise reicht es nicht aus, einmal in der Woche oder gar im Monat ein Posting zu setzen. Die Inhalte müssen auf die Zielgruppe passen. Außerdem sollten Sie abklären, ob und in welchem Rahmen Inhalte im Vorhinein mit dem Pfarrer abgestimmt werden müssen. Dabei ist es sinnvoller, generelle Regeln festzulegen, an die sich jeder halten muss. Ansonsten sollte man die Verantwortlichen eigenständig arbeiten lassen, ohne dass jedes Posting vor Veröffentlichung vorgelegt werden muss.

SCHRITT 4 Die Einrichtung der Accounts, Kanäle und Seiten steht an. Wichtig dabei ist: Informieren Sie sich in Ihrem Ordinariat, was Sie dabei berücksichtigen müssen. Die Vielfältigkeit der Einstellungen in den Menüs ist riesig. Ich empfehle Ihnen daher: Irren Sie nicht allein durch den Dschungel, sondern lassen Sie sich helfen. In vielen Bistümern gibt es mittlerweile Mitarbeiter in den Pressestellen, die für die bistumsweiten Aktivitäten in den Sozialen Medien zuständig sind. Diese helfen Ihnen gerne weiter. Erkundigen Sie sich auch, welche Regeln Sie beim Posten von Inhalten beachten sollten, denn beispielsweise bei Bildern ist aus medien- und urheberrechtlicher Sicht Vorsicht geboten (vgl. Artikel S.23). Auch hierzu bieten viele Bistümer mittlerweile Workshops zum Themenbereich „Soziale Medien“ oder „Medien- und Urheberrecht“ an, um Sie in Ihrer Arbeit vor Ort zu unterstützen.

SCHRITT 5 Jetzt geht’s los: Ermöglichen Sie ruhig mit mehreren Postings pro Woche einen Einblick in die verschiedenen Bereiche Ihrer Pfarrei. Dabei ist wichtig: Halten Sie sich kurz, verständlich und - die Mischung macht‘s. Mixen Sie Nachrichten, Verlinkungen, Bilder, Einladungen, kleine Rätsel oder Quizaufgaben, Gebete, Auszüge aus Predigten, wünschen Sie einen schönen Sonntag, Frohe Weihnachten, einen guten Morgen einen entspannten Feierabend – beispielsweise in Kombination mit einem Tipp für die Abendgestaltung oder einem Foto vom Sonnenaufgang. Haben Sie Mut und probieren Sie aus, welche Inhalte erfolgreich sind und welche nicht, was ankommt bei den Nutzern und was eher nicht beachtet wird. Vernetzen Sie sich mit anderen Pfarreien und mit Ihrem Bistum, nicht zuletzt um Tipps für die eigene inhaltliche Gestaltung zu bekommen und um mehr Menschen zu erreichen.