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Kommentar 05/2015

Kommunikation auf Augenhöhe

Von Martin Gebrande
Vorsitzender Sachausschuss Medien im Landeskomitee der Katholiken in Bayern

„Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ (Mk 16,15), mit diesem universellen Kommunikationsauftrag sind wir Christen unmittelbar von Jesus ausgestattet worden. Er gehört geradezu zum Wesenskern unserer Religion. Mehr als 2.000 Jahre wurden unser Glaube und unsere Glaubenserfahrung so von Generation zu Generation getragen und über die ganze Erde verbreitet. Stand am Beginn die individuelle Weitergabe, wurden doch bald auch die jeweils aktuellen Kommunikationsmittel genutzt.

Dies begann mit der schriftlichen Fixierung in Dokumenten, im Buch und schließlich in massenmedialen Publikationen. Auch als Bewegtbild und Ton übertragen werden konnten, stand die Kirche nicht fern. Radio Vatikan startete schon 1931 als neuzeitliches Massenmedium.

Heute stehen wir mit dem Internet und der Digitalisierung aller Inhalte vor einer neuen Herausforderung. In dieser digitalen Welt finden sich die alten Kommunikationsformen wieder, neue treten hinzu. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Individual- und Massenkommunikation. Keine Frage: Auch in diesem neuen Umfeld muss Kirche, müssen wir Christen, präsent sein. Ähnlich wie die weltlichen Massenmedien, seien sie kommerziell, gemeinnützig oder öffentlich-rechtlich aufgestellt, müssen auch die kirchlichen Medien auf allen Ausspielwegen vorkommen. Das schließt die Entwicklung neuer Angebote ein, die die speziellen Möglichkeiten des Internet und die damit verbundene Zielgruppenansprache nutzen. Beispiele dafür sind etwa das Kirchenradio des St. Michaelsbundes für die Erzdiözese München und Freising oder das Online-Angebot www.katholisch.de.

Die Sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram und Youtube gehen darüber hinaus. Mit ihnen wird noch einmal eine ganz neue Qualität erreicht. Hier geht es plötzlich wieder um individuelle Kommunikation, die aber anders als in früheren Zeiten grundsätzlich weltweit und in beliebigen Gruppen möglich ist. Das heißt: Es kommunizieren Individuen „auf Augenhöhe“ miteinander, nicht Institutionen einseitig „von oben“. Damit stellt sich die Frage für die Kirche, ob sie zu einem offenen Umgang mit diesen Sozialen Medien bereit ist. Ob sie ihren Amtsträgern und ihren Mitgliedern Raum gibt für Authentizität und Offenheit als Grundvoraussetzungen für eine gelungene digitale Kommunikation. Denn dies führt zwingend zu einer Enthierarchisierung und es bedingt ein vorab gegebenes Vertrauen, eine Tolerierung von Meinungsfreiheit und eine Fehlerfreundlichkeit in religiösen und ethischen Diskussionen.

Zudem eröffnet sich eine ganz andere Perspektive: Kirche wird dann eben nicht nur mehr als Institution, sondern als Werte- und Lebensgemeinschaft von Individuen wahrgenommen. Was dem Papst in seiner herausgehobenen Position schon lange gelingt, kann künftig auch jedem Gläubigen in Sozialen Netzwerken gelingen: zum authentischen Glaubenszeugen für viele zu werden. Im Februar hat sich die Deutsche Bischofskonferenz in einem Studientag mit den Sozialen Medien befasst. Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender hat im Anschluss festgestellt, ihm sei bei dieser Diskussion deutlich geworden, dass die in der digitalen Welt vorfindbare Kommunikation auf Augenhöhe mit den theologischen Grundprinzipien der katholischen Lehre gut zusammenpasse. Das lässt für die Zukunft hoffen. Katholische Laien sollten sich dadurch ermutigt fühlen, sich aktiv in den Sozialen Medien für die Sache Jesu Christi zu engagieren und einzusetzen.