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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Interview 05/2015

Inspiration auf dem Friedhof

Drehbuchautor und Schauspieler Winfried Frey über seine Beziehung zur Kirche und die Orte, an denen er zur Ruhe kommt und neue Ideen schöpft.

Winfried Frey ist ein bayerischer Drehbuchautor, Regisseur, Moderator und Schauspieler. Dem Publikum bekannt ist er vor allem durch seine Rollen in verschiedenen Fernsehserien. So verkörpert er in Franz-Xaver Bogners Kultserie „München 7“ seit vielen Jahren den Polizeihauptmeister Hans Kneidl, auch bei den „Rosenheim Cops“, in „Um Himmels Willen“ und „Der Kaiser von Schexing“ war Frey in den vergangenen Jahren immer wieder zu sehen. Daneben schreibt er für das Fernsehen und die Theaterbühne. Sein aktuelles Projekt „Auf geht’s beim Schichtl“ hatte gerade erst Premiere. Mehr zu Winfried Frey, seinen Stücken und aktuelle Informationen finden Sie im Internet: www.gemeinde-creativ.de.


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Gemeinde creativ: Herr Frey, Sie hatten nicht immer eine enge Verbindung zur katholischen Kirche. Zwischenzeitlich waren Sie ausgetreten. Was hat Sie zurückgebracht?

Winfried Frey: Der Austritt hatte damals persönliche Gründe. Ich habe manches nicht so prickelnd gefunden, was die Kirchenautoritäten gemacht und gesagt haben. Aber auch das Wiedereintreten war eine sehr persönliche Geschichte. Unser Pfarrer in Trudering, Herbert Kellermann, ist eine Seele von Mensch. Man kann sagen, seine Art hat mich zurückgebracht. Ich mag seine bürgernahe Art – und damit bin ich nicht allein. Jeden Sonntag ist die Kirche bei uns voll, von leeren Kirchenbänken keine Spur. Leider hat er Ende Juli unsere Pfarrei verlassen.

Die persönliche Bindung hat bei Ihnen also die entscheidende Rolle gespielt?

Ich glaube, dass der Mensch grundsätzlich ein „Gruppentier“ ist und froh, irgendwo dazugehören zu können, sei das eine Kirche, ein Verein oder ein Freundeskreis. Ich habe einmal allein eine längere Reise in Amerika gemacht. Da kommt es schon mal vor, dass man sich einsam fühlt, trotz der tollen Reiseeindrücke. In diesen Momenten hat es mich in die Kirchen gezogen, sofort war ein vertrautes Gefühl da: Man kennt, was um einen herum ist und passiert. So etwas tut jedem Menschen gut.

Als Drehbuchautor sind Sie ein scharfer Beobachter unserer Gesellschaft. Wo sehen Sie die Kirche in der heutigen Zeit?

Für mich steht Kirche für großes Miteinander. Das ist das Ziel innerhalb einer Glaubensrichtung und das sollte es auch zwischen den einzelnen Religionen sein. Jeder sollte eigentlich die Augen aufmachen für den anderen. Prinzipiell geht es immer um das „Miteinanderleben“, den anderen leben zu lassen, wie er es für richtig erachtet, und zu versuchen sich untereinander zu vertragen. Ich glaube, erreichbar wäre dieses hohe Ziel tatsächlich, wenn es keine Extremisten gäbe. Die Extremen machen es schwierig und gefährlich – das ist allen Glaubensrichtungen gemeinsam. Am liebsten halte ich es mit dem obersten Leitsatz der Bayern: Liberalitas Bavariae – steht vor allem für Weltoffenheit, Toleranz und Großherzigkeit – „Leben und leben lassen“.

Sie haben unsere Laiengremien schon mehrfach unterstützt, haben für das Handbuch Pfarrgemeinderat geworben und der Werbung für die Pfarrgemeinderatswahlen ihr Gesicht geliehen. Wie wirken Sie in Ihrer Heimatpfarrei mit?

Dadurch, dass ich berufsbedingt sehr viel in der Öffentlichkeit stehe, genieße ich es wirklich in der Pfarrei passiv dabei zu sein, sozusagen in der Menge zu verschwinden. Natürlich helfe ich gerne, wenn ich angefragt werde. Aber im Pfarrgemeinderat bin ich nicht. Das wäre, glaube ich, für mich auch schwierig. Ich bin jemand, der, wenn er etwas macht, es hundertprozentig gut machen möchte. Und dafür würde mir in diesem Fall einfach die Zeit fehlen. Da unterstütze ich lieber von außen – und dafür braucht man auch keine Funktion.

Manchmal hat man den Eindruck, dass kirchliche Themen in Film und Fernsehen zunehmend eine geringere Rolle spielen. Ist das so?

Ich glaube tatsächlich, dass es eine Schwerpunktverlagerung gibt. Wenn man sich das tägliche Programm vor Augen führt, dann werden da vorwiegend Sendungen und Formate ausgestrahlt, in denen Gemeinschaftsleben, wie Kirche es uns lehrt, nicht wirklich vorkommt. Im ganzen Bereich der Dokufiktion (siehe Kasten) ist da kein Platz dafür, und der nimmt in unserem Fernsehprogramm mittlerweile viel Raum ein. Prinzipiell denke ich schon, dass kirchliche und soziale Themen sowohl das Publikum wie auch die Drehbuchautoren interessieren. Schauen wir uns doch nur einmal um, spannende Themen liegen vor jeder Haustür: Inklusion, Integration, die Flüchtlingsproblematik, das Miteinander der Kulturen und Religionen. Und das sind alles Themen, wozu Kirche viel zu sagen hat.

Wann schafft es ein kirchliches Thema auf den Bildschirm?

Angebot und Nachfrage regeln den Markt, das gilt auch hier. Grundsätzlich stellt der Sender oder die Produktionsfirma ein Thema in den Raum und sagt: „Liebe Drehbuchautoren, das hätten wir gerne in den nächsten zwei bis drei Jahren umgesetzt. Was fällt euch dazu ein?“ Anders herum funktioniert das auch. Ein Drehbuchautor hat eine gute Idee, entwickelt seine Geschichte und versucht sie in einer Redaktion unterzubringen. Das ist natürlich ganz individuell. Der eine, der sich mehr mit Religion beschäftigt, der kommt vielleicht eher auf ein solches Thema, ein anderer nicht. Wichtig ist aber, dass beide Seiten da auch zusammenarbeiten und keine Scheu voreinander haben.

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn ich als Kirche oder kirchliche Gruppe eine spannende Geschichte habe, kann ich sie aktiv an die Medien herantragen?

Unbedingt, genau so sehe ich das auch. Nehmen wir mal das Thema Fußball. Die Fußballverbände schaffen es, ihr eigenes Interesse so an die Medien heranzutragen, dass die wiederum sagen: „Das ist so wichtig, das müssen wir einfach senden.“ Natürlich gibt es weltweit viele Fußballfans, aber wenn wir uns anschauen, wie viele Gläubige es gibt, dann ist das auch eine sehr große Gruppe, die Interesse daran hat, dass ihre Themen im Fernsehen laufen.

Wo lassen Sie sich inspirieren?

Oft sind es bei mir ganz kleine Geschichten, die mich zu irgendwas inspirieren; zum Teil kommen die Anstöße aus meinem Umfeld oder einfach aus dem Alltag. Ich bin ein Familienmensch und mag Geselligkeit, da kommt eigentlich immer jemand mit einer guten Geschichte um die Ecke. Manchmal sind Dinge dabei, die sind wie gemacht für die Bühne oder eine Fernsehproduktion. Vor kurzem habe ich gelesen, dass es in Schweden jetzt psychologische Beratung im Taxi gibt. So was Verrücktes! Das kann ich sicher mal irgendwo einbauen. Ich schreibe oft historische Sachen, die in Bayern spielen. Dafür braucht man auch authentische Namen aus der Zeit. Idealer Rechercheort ist hier der Friedhof. Quelle: alte Grabsteine.

Sie sind Schauspieler, Autor, Moderator, Coach und Regisseur, da bleibt vermutlich nicht viel Zeit für sich, für die Familie und Freunde. Wann und wo kommen Sie zur Ruhe?

Ich bin ein großer Familienmensch. Ich mag es total gerne, wenn meine Kinder und das Enkelkind um mich herum sind, wenn man gemeinsam essen und sich austauschen kann. Ich habe – würde ich sagen – eine Hand voll wirklich sehr guter Freunde, mit denen man über alles redet, und dann sehr viele Bekannte. In meinem Beruf ist das wirklich schwierig und in den vergangenen zehn Jahren hat sich das auch verändert. Der Druck wird immer größer. Spannenderweise – und das erdet mich immer wieder – kommen meine Freunde nicht aus dem Mediengeschäft. Sie nehmen meine Arbeit auch als solche wahr, so als wäre ich Schreiner, Schlosser oder Physiotherapeut. Das tut gut. Das hält einen auf dem Boden.

Was ist Ihr nächstes Projekt?

Gerade wird die letzte Staffel von „München 7“ produziert. Da bin ich als Polizeihauptmeister Hans Kneidl wieder mit dabei. Übrigens eine Rolle, die mir Franz-Xaver Bogner auf den Leib geschneidert hat. Ansonsten habe ich im Sommer ganz intensiv an einem Theaterstück mit dem Titel „Auf geht’s beim Schichtl“ gearbeitet. Das spielt im Jahr 1910 zur Prinzregentenzeit hinter dem Oktoberfest. Eine neue Schaustellerin, die Besitzerin des Teufelsrades, die das erste Mal auf die Wiesn kommt, macht dem angestammten Schichtl seinen Platz streitig. Premiere war jetzt Anfang September. Außerdem arbeite ich aktuell an meinem ersten Wortkabarett unter dem Titel „endlich frey“. Da werde ich mich um diese Themen kümmern, die einen Mann im mittleren Alter eben so bewegen. Sind die Kinder erst erwachsen, die Frau im Wechsel und das Haustier verstorben, ist man „endlich frey“. Oder kommt man dann vom „Burnout“ in den „Burnin“? Das macht mir grade großen Spaß. Sie sehen, langweilig wird mir so schnell nicht. Und das ist auch gut so.

Das Interview führte Alexandra Maier