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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Meditation 04/2016

Ein JA zu diesem Tag

Von Maria Rehaber-Graf

Vielleicht sind Sie jemand, der morgens gern mit den Hühnern aufsteht, gut gelaunt Kaffee kocht und schon die Zeitung gelesen hat, bevor irgendjemand sonst auch nur daran denkt, aufzustehen. Oder Sie gehören eher zu denen, die Tag für Tag mit dem Wecker hadern und sich nur mühsam aus den Federn kämpfen. Mit anderen Worten: Sind Sie eher Lärche oder eher Eule?

Und wenn dann die ersten Hürden des Tages genommen sind und Sie an die Aufgaben denken, die vor Ihnen liegen: Da kann es sein, dass Sie eher mit Schwung und Tatkraft ans Werk gehen. Vielleicht ist Ihnen aber auch öfter mulmig zumute, oder Sie haben gar keine Lust, würden am liebsten ganz etwas anderes tun oder sich einfach nochmal ins Bett verkriechen.

In seinen Meditationen über alltägliche Dinge schreibt Karl Rahner über die Arbeit: „Sie ist einfach – Arbeit: mühsam und doch erträglich, durchschnittlich und gewohnt, […] in einem das Leben erhaltend und es langsam abnützend, unvermeidlich und (wo sie nicht zu bitterer Fron verdirbt) nüchtern freundlich. Sie kann uns nie ganz ‚liegen‘.“ Er führt fort: „Und immer ist Arbeit auch ein Sich-einfügen-Müssen in die Verfügung der anderen, in den Rhythmus, der vorgegeben ist, ein Beitrag zu einem gemeinsamen Ziel, das keiner von uns allein sich ausgesucht hat, also Gehorsam und Verzicht in das Allgemeine hinein.“ Ein nüchterner Blick aufs Alltägliche. Und doch steckt mehr darin.

Ich möchte Ihnen von einem Film erzählen, den ich vor einigen Jahren einmal gesehen habe. Es ist ein Film über Fischverkäufer auf einem Markt in einer kleinen Stadt irgendwo in den USA. Fische verkaufen, das ist dort eine körperlich anstrengende Arbeit. In der Markthalle reiht sich Geschäft an Geschäft, ein Verkaufsstand an den anderen. Doch nirgendwo ist so viel los wie in dem Fischgeschäft: Die Leute kommen schon in aller Frühe, angelockt von der guten Ware – und von dem Schauspiel, das die Verkäufer bieten: Sie werfen einander laut rufend die Fische zu, singen unentwegt und scherzen mit den Kunden. Die Männer sind offensichtlich bestens gelaunt und die Stimmung schwappt auf alle über, die anstehen und darauf warten, dass auch sie an die Reihe kommen.

In dem Film wird einer der Verkäufer gefragt, wie sie denn das schaffen, immer so gut drauf zu sein. Und er antwortet: „Ich beginne jeden Tag mit einem JA. JA, ich will heute Spaß bei meiner Arbeit haben! Ich will es wirklich!“ Er fügt ganz ernst hinzu: „Ich mache das jeden Tag so, auch wenn es mir noch so schwer fällt. Und glauben Sie mir, das ist nicht leicht, wenn der Wecker morgens um vier Uhr klingelt!“

Mich hat dieser Mann beeindruckt. Er ist ein einfacher Mensch und hat einen harten Job. Aber er hat offensichtlich eine Entscheidung getroffen: Er will, dass ihm seine Arbeit Spaß macht. Sicher liegt viel an der positiven Stimmung im Team, die Männer können offensichtlich gut miteinander. Und zugleich tut er das Seine dazu, das, was nur er allein tun kann – und das zieht er konsequent durch. Davor habe ich Respekt. Dieses JA, das er sich an jedem einzelnen Tag abringt, das JA zu seiner Arbeit, das JA zu seinem Leben: dieses JA macht einen Unterschied. Es gibt seinen Tagen einen Sinn. Es gibt seinem Leben Würde.

Als glaubender Mensch möchte ich einen Schritt weiter gehen: Ich möchte JA sagen zu jedem einzelnen Tag, ein JA zu seiner Mühe und zu seinen Freuden, ein JA zu meinen Möglichkeiten und zu meinen Grenzen – ein JA zu meinem Leben, weil Gott sein großes JA schon längst gesprochen hat und es mir in jedem Augenblick wieder neu zusagt. Weil ich mir von Gott gegeben bin als Geschenk und als Aufgabe, deshalb sage ich JA zu meinem Tag und lasse mich mutig auf seine Herausforderungen ein.

Noch einmal möchte ich Karl Rahner, den großen Theologen, zu Wort kommen lassen. Im großen Vortragssaal des Kardinal- König-Hauses in Wien steht folgendes Zitat von ihm: „Ich habe gearbeitet, geschrieben, doziert, meine Pflicht zu tun, mein täglich Brot zu verdienen gesucht. Ich habe in dieser üblichen Banalität versucht, Gott zu dienen. Fertig.“

Ob Sie Eule oder Lärche sind, daran können Sie nichts ändern. Das liegt in den Genen. Ob Sie mit Freude und Leichtigkeit an die Arbeit gehen können oder unter Lasten stöhnen, das liegt auch nicht unbedingt in Ihrer Hand. Aber eines wünsche ich Ihnen: dass Sie sich immer wieder entschieden und mutig Ihren Herausforderungen stellen. Mit einem JA zu Ihrem Tag – in Gottes Namen!