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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Aktuelle Ausgabe

  • GC 002 2017 Titel

Praxistipp 04/2015

Glaubhaft fair und ökologisch korrekt

Kirche kann mit einer nachhaltigen Ressourcen-Kultur die Welt verändern

von Josef Holzbauer
Umweltbeauftragter im Bistum Passau. Er hat für die Leser von Gemeinde creativ einmal zusammengestellt, worauf Pfarrgemeinden beim Einkauf achten sollten und warum es eine neue kirchliche Beschaffungskultur braucht.

Das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) appellierte schon 2012 in einer Erklärung an die Gemeinden, Bistümer und Orden. Das ZdK setzt sich dafür ein,

  • die eigene Beschaffung an sozialen und ökologischen Kriterien auszurichten und dabei insbesondere regionale, ökologische und Produkte aus dem Fairen Handel zu verwenden.
  • die Möglichkeiten des ethischen Investments konsequent zu nutzen.
  • Veranstaltungen nach sozialen und ökologischen Kriterien auszurichten.
  • eine Arbeitsweise anzustreben, die konsequent an sozialen und ökologischen Kriterien ausgerichtet ist.
  • zur ökumenischen Zusammenarbeit in diesen Fragen beizutragen und die Diskussion in Gesellschaft, Politik und Kirche voranzubringen.

Darüber hinaus soll(en)

  • die Bistümer in Richtlinien und handlungsbezogenen Leitfäden einen Rahmen für die Umsetzung des sozialen und ökologischen Einkaufs für Gemeinden, Organisationen und Einrichtungen setzen. Die Richtlinien sollten in Zusammenarbeit mit den kirchlichen Laienorganisationen und in ökumenischer Kooperation erarbeitet werden. Bei der praktischen Umsetzung kann an bereits existierende Initiativen (z. B. das Projekt "Zukunft einkaufen") angeknüpft werden.
  • ein stärkeres Zusammendenken des Umwelt- und Weltkirchenbereichs in den Bistümern stattfinden, aus dem gemeinsame Initiativen entstehen können.

Das Projekt „Zukunft einkaufen“ der Umweltbeauftragten der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland gibt zur Einführung einer neuen Beschaffungskultur folgende praktische Handlungsempfehlung für Pfarreien und Einrichtungen in fünf Schritten:

  • Die Bestandsaufnahme – sich einen Überblick verschaffen
  • Die Situation analysieren – Handlungsbedarf erkennen
  • Das Verbesserungsprogramm „Ökofaire Beschaffung“ – neue Standards setzen
  • Beschaffung organisieren „mit System“
  • „Zukunft einkaufen“ weitersagen! – die Kommunikationsstrategie

Was verstehen die Organisatoren nun konkret darunter?

1. Bestandsaufnahme

Jede Einrichtung sieht sich ihre bisherige Beschaffungspraxis und ihre Verbräuche genau an. Gemeinsam füllt man Checklisten aus, die auf die jeweiligen Arbeitsfelder zugeschnitten sind und ermittelt die Beschaffungskennziffern.

2. Bewertung

Auf dieser Grundlage kann dann eine Bewertung vorgenommen werden. Dabei werden nun gezielt Problembereiche in der Beschaffung erkannt und Verbesserungsstrategien entwickelt. Auf den Prüfstand kommen jetzt Menge, Nutzen und Qualität der in Ihrer Einrichtung eingesetzten Produkte. Wenn es schwierig ist, den Überblick zu behalten, kann eine Portfolio-Analyse weiterhelfen.

3. Verbesserungsprogramm

Die Ergebnisse der Bewertung sind Grundlage für das Verbesserungsprogramm, in dem die konkreten Maßnahmen mit Zeit-, Kostenplan und Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Mit der Bestätigung durch das Leitungsgremium wird das Verbesserungsprogramm verbindlich.

4. Beschaffung systematisch organisieren

Die neuen Zuständigkeiten auf allen Ebenen müssen geregelt und in das Organigramm der Einrichtung integriert werden. Beschaffungsleitlinien und eine Beschaffungsordnung helfen, die ökofairen Standards in der Einrichtung zu verankern. In den Folgejahren werden die Beschaffungsabläufe und -ergebnisse regelmäßig angepasst und weiterentwickelt.

5. Kommunikationsstrategie

Eine Kommunikationsstrategie nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ rundet das Beschaffungsmanagement ab. Mitarbeitende, Gemeindeglieder, Kooperationspartner, Gäste etc. werden so umfassend informiert und zur Mitarbeit motiviert. Die Chance, so das Thema „Konsum und Lebensstil“ in die Öffentlichkeit zu bringen und erfahrbar zu machen, sollte genutzt werden – kirchlich-diakonische Einrichtungen haben nach wie vor eine große Vorbildwirkung.

Wie eine „Selbstverpflichtung zur ökofairen Beschaffung und Ressourceneinsparung“ aussehen kann, macht die Katholische Jugendhilfe Don Bosco in Osnabrück vor. Sie hat sich zum Beispiel folgende Maßnahmen selbst auferlegt:

  • Leuchtmittel werden durch Sparbirnen bzw. LED-Beleuchtung ersetzt.
  • Die Einrichtung bezieht zu 100% zertifizierten Öko-Strom.
  • Toilettenspülungen werden mit Spartasten nachgerüstet.
  • Duschköpfe werden durch Sparduschköpfe ersetzt.
  • Büro und Sanitärbereich nutzen ausschließlich mit dem Blauen Engel zertifiziertes Recyclingpapier.
  • Mitarbeiter werden geschult in Bezug auf ökologisches Waschen und richtiges Dosieren von Reinigungsmitteln.
  • Sammelstellen für Druckerpatronen, Sparlampen und Sondermüll werden eingerichtet.
  • Bei Neuanschaffungen von elektrischen Geräten (Waschmaschinen,
  • Trocknern, Kühlschränken etc) werden länger haltbare und energieeffiziente Geräte eingekauft.
  • Eine Energieeffizienzanlage (‚Power Control‘) wird zur Einsparung von elektrischer Energie eingebaut.
  • Stand-by wird um mindestens 70 % reduziert (z.B. durch Anschaffung von Steckerleisten).
  • Die Großküche kauft überwiegend regionale und saisonale Lebensmittel.
  • Kaffee wird aus Fairem Handel bezogen.

Auf der Webseite www.zukunft-einkaufen.de finden Sie alle wichtigen Informationen zu Vorgehensweise, Bestandsaufnahme, Verstetigung und Festschreibung des Projekts.

In unserer Reihe Pro Praxis ist der Titel „Kirche kauft ein – öko, sozial, fair“ erschienen. Das Heft mit Impulsen zum Beschaffungswesen kann in der Geschäftsstelle bestellt werden oder im Internet unter www.landeskomitee.de