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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Meditation 04/2015

Als Kirche unterwegs sein im Heute

Von Walter Wakenhut

Die Erinnerungen an das Konzil und die Würzburger Synode bringen uns Ältere immer wieder in Versuchung, in der Vergangenheit zu schwelgen. Aber schon Jesus mahnt uns, nicht umzuschauen, wenn wir die Hand an den Pflug legen. Diesen haben wir als Seelsorger jedenfalls noch nicht aus der Hand gegeben. Die Frage aber, was ist aus dem Konzil, was ist aus der Würzburger Synode geworden, darf und soll uns durchaus bewegen – gerade auch vor dem Hintergrund dessen, welche Entwicklung unsere Kirche in den vergangenen Jahrzehnten genommen hat.

Haben wir mit den Talenten, die uns damals anvertraut worden sind, Handel getrieben oder haben wir sie gar vergraben und verspielt? Tatsache ist, dass unsere Kirchen immer leerer werden und der Einfluss der Christen in Staat und Gesellschaft immer mehr schwindet. Christliche Werte wie der Schutz des Lebens und von Ehe und Familie gelten nicht mehr oder nur noch wenig.

Es hat den Anschein, dass wir es versäumt haben, die Zeichen der Zeit zu deuten und darauf auf die rechte Weise zu reagieren und, dass auch die verzweifelten Anstrengungen, mit denen wir jetzt versuchen zu retten, was noch zu retten ist, nicht greifen. Auf den Aufbruch von damals, folgte der Einbruch und jetzt müssen wir schon fast von einem Abbruch reden. Sind wir noch auf der Höhe der Zeit? Verstehen wir noch unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger - und verstehen diese auch uns?

Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.

Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist.

Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden. (GS 1)

Mit diesen Worten beginnt „Gaudium et spes“ (GS), die Pastoralkonstitution „Kirche in der Welt dieser Zeit“. Hier ist gesagt, was die Menschen bewegt, bedrängt, was ihnen Angst und was ihnen Freude macht. Für unsere geografisch zwar großen, in ihrer Mitgliederzahl aber immer kleiner werdenden Gemeinden, ist diese intensive Gemeinschaft der Pilgerschaft, des Gemeinsam-Unterwegs- Seins leider eine Erfahrung, die sie so nicht mehr machen und ihnen deshalb fremd geworden ist, zu sehr sind sie mit Organisations- und Verwaltungsfragen festgenagelt. Was das Konzil sagt, bleibt aber nach wie vor eine große Herausforderung, die wir aus Freude am Evangelium und mit dieser Freude durchaus bewältigen können.

Die Konzilsväter sprechen uns alle an. Wir sind das Volk Gottes, das unterwegs ist in dieser Welt, und das ein Ziel hat, das Reich Gottes, das nicht irgendwo ist, sondern hier in unserer Mitte bereits begonnen hat: Dort wo wir den Herrn in unserer Mitte haben, auch wenn wir nur zwei oder drei sind, dort wo wir das Evangelium wirklich als Wort des Lebens hören und auch beherzigen und dort schließlich als Höhepunkt, wo wir in der Eucharistiefeier miteinander Brot und Wein als Leib und Blut Christi teilen.

Wir können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen und wir brauchen es nicht neu zu erfinden. Besinnen wir uns auf das, was wir haben, und leben wir in Freude unseren Glauben. Diese Freude wirkt so ansteckend, dass die Leute nicht weglaufen, sondern herkommen. Freilich müssen dann nicht nur unsere Kirchen offen sein, sondern auch unsere Herzen …

Es lohnt sich in diesem Kontext, wieder einmal im Beschluss der Würzburger Synode „Dienste und Ämter“ – vor gut vierzig Jahren – nachzulesen. Da steht:
Aus einer Gemeinde, die sich pastoral versorgen lässt, muss eine Gemeinde werden, die ihr Leben im gemeinsamen Dienst aller und in unübertragbarer Eigenverantwortung jedes Einzelnen gestaltet. (Dienste und Ämter, 1.3.2)

Und weiter:
Dieser Dienst ist der ganzen Kirche aufgetragen. Sie ist als Ganze das priesterliche Volk Gottes, das berufen ist, durch die Verkündigung des Evangeliums, durch die Feier der Sakramente und durch den Dienst an den Menschen, die Macht und die Liebe Gottes in Jesus Christus zu bezeugen.

So ist sie als ganze „gleichsam das Sakrament, das heißt das Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“. (Dienste und Ämter, 2.2.1)