Nachhören

  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

    Zum Anhören herunterladen oder direkt hier im O-Ton anhören:

Schreiben Sie uns

    • Ihre Meinung zu Beiträgen
    • Fragen, die beim Lesen aufgetaucht sind
    • Reaktionen an die jeweiligen Autoren
    • Themenwünsche und Ideen für zukünftige Ausgaben

    Kontaktdaten

Aktuelle Ausgabe

  • GC 002 2017 Titel

Kommentar 04/2015

Eine christliche Aufgabe

Schöpfung bewahren heißt Mitbauen an einer gerechten Welt

Von Mattias Kiefer
Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der deutschen (Erz-)Bistümer

Fragt man die Gründungsväter und -mütter der kirchlichen Umweltarbeit, diejenigen, die sich spätestens seit der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 auch innerhalb ihrer Kirche für mehr Schöpfungsverantwortung einzusetzen begannen, so hat sich in den letzten 30 Jahren vieles zum Positiven verändert: Die ideologischen Schützengräben der 1980er, in Bayern wohl am schmerzhaftesten rund um den Bauzaun im oberpfälzischen Wackersdorf spürbar, wuchsen langsam zu. Einher mit dieser weltanschaulichen Abrüstung ging ein langsamer, aber stetiger Bedeutungsgewinn von „Umwelt“ als eigenständigem Politikfeld. Wesentlichen Anteil an der Herausbildung eines europäischen zivilgesellschaftlichen Umweltbewusstseins hatte, obwohl so nur wenigen präsent, der „Konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung“. Stark vorangetrieben vor allem von den kirchlichen Jugendverbänden entwickelte sich zunehmend auch innerkirchlich ein Bewusstsein dafür, dass Verantwortung zu übernehmen für das Wohlergehen von Gottes guter Schöpfung eine genuin christliche Aufgabe ist.

Spätestens als in der ersten Dekade des neuen Jahrtausends die globale Weltöffentlichkeit ein Gefühl dafür entwickelte, dass der Klimawandel tatsächlich eine reale Bedrohung des Überlebens der Menschheit darstellen könnte, hatte „Schöpfungsverantwortung“ die kirchliche Basis auf breiter Ebene erreicht. Die (deutlich) gestiegenen Energiepreise der letzten Jahre waren ursächlich dafür, dass „Umwelt“ innerhalb der kirchlichen Verwaltungen langsam einen höheren Stellenwert bekam, bedeutete ökologisch sparen doch nun auch ökonomischen Gewinn.

Und heute? Heute hat Papst Franziskus eine eigene „Umwelt-Enzyklika“ geschrieben, die innen- wie außerkirchlich mit Spannung erwartet wurde; heute werden diözesane Schöpfungs- oder Nachhaltigkeitsleitlinien verabschiedet, die versuchen, das Thema als kirchliches Querschnittsthema zu verankern; heute gibt es in vielen Gemeinden Umweltteams, die sich um eine nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften und Flächen sowie einen ressourcenleichteren und emissionsärmeren Alltagsbetrieb kümmern.

Alles gut also? Nein. Weil das trotz aller Erfolge der letzten Jahre nicht reicht. Es reicht nicht für unseren Nächsten im Hartz- IV-Haushalt, in Bangladesch oder im Nigerdelta, es reicht nicht für unsere Kinder und Enkel, es reicht nicht für Gottes gute Schöpfung, die wir doch „bebauen und behüten sollen“ (Gen 2,15). „Diese Wirtschaft tötet“ (Papst Franziskus), auch die natürlichen Lebensgrundlagen.

Immer noch gilt deshalb der beinahe prophetische Ruf der deutschen Bischöfe von 1998 (Handeln für die Zukunft der Schöpfung, Nr. 168): „es [geht] dem kirchlichen Heilsdienst nicht nur ‚um die Rettung der menschlichen Person‘, sondern auch ‚um den rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft‘ […] (vgl. Gaudium et spes 3). Zum rechten Aufbau der Gesellschaft gehört heute ganz wesentlich die Ausrichtung auf eine nachhaltige Entwicklung. Das hat dann aber zur Konsequenz, dass zugleich mit und in dem liturgisch-sakramentalen, religionspädagogisch- katechetischen und caritativen Heilsdienst am Menschen auch die Gestaltung einer ökologisch tragfähigen, solidarischen und wirtschaftlich verantwortlichen Gesellschaft als eine pastorale Aufgabe verstanden werden muss.“ Eine Aufgabenbeschreibung, die die kirchliche Umweltarbeit miteinschließt, aber auf Kirche in ihrer Gänze abzielt: mitzuhelfen am Aufbau einer Welt in Solidarität und Gerechtigkeit mit allen Geschöpfen Gottes.