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  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Meditation 03/2015

Das ist meine Kirche - da bin ich daheim

von Walter Wakenhut

„Mich irritiert vor allem wie viel Angst in unserer Kirche regiert“, sagte Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden- Württemberg, in einem Interview mit DIE ZEIT. Vorher hatte er festgestellt, dass wir in unserer Gesellschaft noch nie so christlich gewesen seien wie heute. „Das Evangelium wird doch in unserer Zeit mehr denn je gelebt – bloß dass es nicht immer draufsteht. Nehmen Sie die Ideale des Sozialstaates oder der Bewahrung der Schöpfung oder der Würde des Menschen, das sind doch durchgreifende Erfolge der Evangelien in der heutigen Welt.“

Das sind Worte der Zuversicht, die nicht so recht zu einer Kirche passen, die sich lieber mit den Leuten beschäftigt, die sie verlassen und anfeinden, als mit denen, die treu und redlich zu ihr stehen, in ihr Heimat und Geborgenheit finden und aus und mit ihrem Glauben leben. Sie passen nicht zu einer Kirche, die ihr Heil in Strukturen und Institutionen sucht und darüber die Menschen in ihrem Hunger nach „Seelsorge“ vergisst.

Sollte uns deshalb nicht vielmehr die Frage beschäftigen: Warum sind wir in der Kirche und das mit Freude? Es geht darum, wie wir die Freude an der Kirche und damit auch die Freude am Evangelium wieder wecken können und wie wir diese glaubwürdig an die kommende Generation weitergeben können, aber auch und vor allem darum, wie wir diese Freude den vielen suchenden und fragenden Menschen um uns herum weiterschenken können.

Also ganz konkret:
Was macht mir Freude an meinem Christsein, an meiner Katholischen Kirche, an meiner Pfarrei, an meinem Verband oder Verein?
Trotz allen Redens von einer Säkularisierung, trotz einer realen und nicht nur gefühlten Entchristlichung unseres Staates ist unsere Gesellschaft, gerade auch bei uns in Bayern, im Grunde nach wie vor christlich. Das Kirchenjahr bestimmt noch weithin den Ablauf des Jahres, die großen kirchlichen Festtage sind auch staatliche Festtage, unsere auf dem Boden der christlich abendländischen Tradition gewachsenen Werte sind nicht nur Bestandteil unseres Grundgesetzes, sondern bestimmen Gesetzgebung und privates wie öffentliches Leben.

Diese Selbstverständlichkeit muss allerdings genährt und gepflegt werden, sie muss „weiter entwickelt“ und fortgeschrieben werden, damit sie auch den Fragen und Proble men unserer modernen digitalen Informations- und Leistungsgesellschaft gewachsen ist. Dabei können und sollen wir als Christen mitreden und mitgestalten; denn wir haben dazu unsere Möglichkeiten und auch das nötige „Know-how“.

Wir haben es nicht nötig, uns hinter den Mauern und den vielfach verschlossenen Türen unserer Kirchen und Pfarrheime zu verstecken. Wir können und sollen hinaus zu den Menschen gehen.

Folgen wir den Mahnungen unseres Papstes. Beherzigen wir, was er zu den Versuchungen der in der Seelsorge Tätigen sagt – und das sind wir alle, Laien und Kleriker. Es lohnt sich in „Evangelii gaudium“ diese Kapitel nachzulesen, sie zu bedenken und sie in Wort und Tat umzusetzen. Denn hier geht es um unsere Glaubwürdigkeit als Kirche. Nirgendwo wird deutlicher, dass wir Kirche sind, als im gemeinsamen Leben und im gemeinsamen Zeugnis. Lassen wir uns Mut machen von der Gemeinde in Jerusalem, von der wir in der Apostelgeschichte lesen, sie war ein Herz und eine Seele. Und das überzeugte.

Die Menschen sollen bei uns in der Kirche Heimat und Geborgenheit finden. Sie sollen sagen können: Das ist meine Kirche – und da bin ich daheim.

 

Lassen wir uns die missionarische Begeisterung nicht nehmen!

Lassen wir uns die Freude der Evangelisierung nicht nehmen!

Lassen wir uns die Hoffnung nicht nehmen!

Lassen wir uns die Gemeinschaft nicht nehmen!

Lassen wir uns das Evangelium nicht nehmen!

Lassen wir uns das Ideal der Bruderliebe nicht nehmen!

Lassen wir uns die missionarische Kraft nicht nehmen!