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Kommentar 03/2015

Chancen endlich angleichen

Von Christiane Voigt
DGB Bayern

Mehr als 50 Prozent der 12,6 Millionen Einwohner Bayerns sind Frauen, davon haben etwa 2,2 Millionen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das ist ein Drittel aller Frauen und 44 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Mädchen und Frauen haben inzwischen die besseren Abschlüsse in Schule und Ausbildung und deutlich seltener überhaupt keinen beruflichen Ausbildungsabschluss. Das sind positive Entwicklungen.

Trotzdem gibt es in Bayern eine Lohnlücke von 24 Prozent. Sie ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Diskriminierung von erwerbstätigen Frauen. Sie lässt sich nur zu Zweidrittel durch „objektive“ Unterschiede (mehr familienbedingte Unterbrechungen, Teilzeitarbeit, weniger Leitungs- und Führungsfunktionen und Berufe mit einem geringeren Einkommensniveau bei Frauen) begründen. Es bleibt die „bereinigte“ Lohnlücke, von einem Drittel, die auf mittelbare Diskriminierung zurückgeführt werden muss. Trotzdem reicht es nicht aus, sich nur mit der sogenannten bereinigten Lohnlücke zu beschäftigen, denn auch die unbereinigte Lohnlücke enthält diskriminierende Elemente:

  • Frauen konzentrieren sich noch immer auf bestimmte Berufe und Branchen. Drei Viertel von ihnen sind in nur drei Berufsbereichen tätig: Erstens, den kaufmännischen Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus; Zweitens, in der Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Recht, Verwaltung und drittens im Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung.
  • Frauen fehlen in den höheren Positionen.
  • Frauen unterbrechen und reduzieren familienbedingt sehr viel häufiger ihre Erwerbstätigkeit.

Die Konzentration der Frauenerwerbstätigkeit führt zu einer schlechteren Bewertung dieser Berufe, die immer noch nicht überwunden ist. Und selbst wenn in Sonntagsreden die Wertigkeit dieser Tätigkeiten hoch gelobt wird, besser bezahlt werden sie trotzdem nicht; der aktuelle Streit um die Bezahlung der Erzieherinnen zeigt das deutlich.

Ökonomische Interessen haben großen Einfluss auf die geschlechtergerechte Bezahlung. Das zeigt sich auch bei den ansteigenden prekären Beschäftigungsformen, die in vielen Fällen vor allem Frauen treffen. Bestes Beispiel dafür sind die 450-Euro-Jobs, die Frauen sowohl bei der Bezahlung als auch bei der Altersversorgung massiv benachteiligen. In Bayern sind von den etwa 830 000 ausschließlichen Minijobbern fast 70 Prozent Frauen, bei den nebenberuflichen Minijobbern machen sie mehr als die Hälfte aus.

Zur Verbesserung der Situation von Frauen in der Arbeitswelt gehören daher zwei Dinge:

1. Ein gesellschaftliches Umdenken bei der Aufteilung der Haus- und Familienarbeit. Sie wird immer noch zum größten Teil von Frauen erledigt, fast völlig unabhängig von ihrer Arbeitszeit. Frauen sollten noch mutiger werden und mehr Haus- und Familienarbeit ihrer Partner einfordern. Und Männer sollten ihr Verhalten überdenken und die positiven Aspekte der gemeinsamen Haus- und Familienarbeit sehen. Dazu gehört auch die partnerschaftliche Teilung der Elternzeit. Ergänzt werden muss dies durch Information und Schulung aller Beteiligten und Betroffenen (Arbeitgeber, Personalabteilungen, Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte, Gleichstellungsbeauftragte, Eltern, Mädchen).

2. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass Diskriminierung nicht möglich ist. Das heißt, der Mindestlohn muss gesetzeskonform umgesetzt und kontrolliert werden, dann kann er helfen, die Lohnlücke zu reduzieren. Außerdem braucht es eine Neuordnung der Kleinstarbeitsverhältnisse, das heißt die soziale Sicherung von Teilzeitarbeit ab der ersten Arbeitsstunde, unabhängig vom Stundenvolumen und einen Rechtsanspruchs auf die Rückkehr in eine Vollzeitbeschäftigung. Beides hilft, Altersarmut bei Frauen zu verhindern. Mehr Mitbestimmung in Unternehmen und Verwaltung würde es ermöglichen, die Entgeltpraxis geschlechtergerechter zu gestalten. Ergänzt werden muss das durch eine gesetzliche Regelung zur Durchsetzung der Entgeltgleichheit, dazu