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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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  • GC 002 2017 Titel

Praxistipp 03/2014

Von der versorgten zur sorgenden Gemeinde

„Aus einer Gemeinde, die sich pastoral nur versorgen lässt, muss eine Gemeinde werden, die ihr Leben im gemeinsamen Dienst aller und in unübertragbarer Eigenverantwortung jedes einzelnen selbst gestaltet.“ (Aus dem Beschluss „Dienste und Ämter“ der Würzburger Synode 1.3.2)

Von Dorothea Elsner
Geschäftsführerin der Region Nord des Diözesanrates der Katholiken der Erzdiözese München und Freising

Die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils betonen die Verantwortung der Gläubigen, sich selbst für das lebendige Glaubens- und Gemeindeleben einzusetzen. Nicht nur der Pfarrer und die hauptamtlichen Seelsorger allein tragen demnach die Sorge für die Gemeinde, alle Getauften und Gefirmten sind berufen, sich mit den eigenen Fähigkeiten, Leidenschaften und Interessen einzubringen. In vielen deutschen Pfarrgemeinden fehlt es jedoch am Bewusstsein, meist sind es gerade mal die Mitglieder der Gremien, die sich in die Gestaltung des Gemeindelebens einbringen.

Dabei lastet auf den meisten Schultern nicht nur das Mandat des Pfarrgemeinderats, sondern noch diverse weitere Funktionen und Aufgaben. Damit einher geht auch das Erleben einer stetig abnehmenden Gemeinde. Für immer weniger Menschen bietet die Kirche heute den Ort, sich zu engagieren oder einzubringen, da sie als zu fremd, zu entfernt von der eigenen Lebenswelt und in Bezug auf die eigene Lebensgestaltung nicht kompatibel empfunden wird. Dennoch, das wurde durch die starke Zunahme der Wahlbeteiligung in den Pfarrgemeinden, die bei der Pfarrgemeinderatswahl die allgemeine Briefwahl genutzt haben, deutlich, ist das Interesse für die Pfarrgemeinde vor Ort höher als die Gottesdienstbesucherzahlen.

Ähnliche Erkenntnisse lassen sich aus der Religionsstudie ableiten, die Anfang 2013 veröffentlicht wurde und auf der neuen Sinus-Milieustudie basiert. In allen Milieugruppen gibt es Katholiken, die sehr unterschiedliche Erwartungen an Kirche formulieren und die auch eine grundsätzliche Bereitschaft haben, sich einzubringen. Jedoch unterscheiden sich die Rahmenbedingungen der verschiedenen Gruppen, eine generelles „Ich bin da, wenn man mich braucht und tu alles, was nötig ist“ findet man in den wenigsten Milieugruppen.

Damit alles so bleibt, wie es ist, muss sich eine ganze Menge ändern!

Um in der heutigen Zeit Glauben weitergeben zu können, braucht es sowohl Menschen, die ihren Glauben in Wort und Tat bezeugen und erlebbar machen, wie auch das Willkommensein und Teilhabenkönnen. Es ist nicht nur wichtig, dabei zu sein. Damit die Pfarrei als ein Ort lebendigen Glaubens und attraktiver Treffpunkt für die Menschen am Ort angenommen wird, braucht es ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Menschen, die dort leben, ein offenes Herz, um auf Neue und in ihrer Lebensweise Fremde zuzugehen und ein Ernstnehmen und Wertschätzen ihrer Unterschiedlichkeit. Es braucht einen Blick für die unterschiedliche Ästhetik, wie Räume und Öffentlichkeitsarbeit gestaltet werden können, und den Willen zur Veränderung.

Arbeitsformen

Die Beschränkung der Mitgestaltung des Gemeindelebens auf den Pfarrgemeinderat führt nicht nur zur Überlastung der meist hoch engagierten Mitglieder. Er nimmt auch die Möglichkeit, weitere interessierte Gemeindemitglieder einzubinden. Über die Mitarbeit in Projekten, kleineren Aktivitäten oder auch die Nachfrage nach persönlichen Fähigkeiten und Fachwissen zu Sachthemen könnten sie positive Erfahrungen sammeln und eine Beziehung zur Pfarrgemeinde aufbauen.

Der Pfarrgemeinderat sorgt als Leitungsgremium dafür, dass Ziele formuliert und umgesetzt werden. Das bedeutet: Initiativen wecken, notwendige Rahmenbedingungen schaffen, Umsetzungsformen für konkrete Aufgaben festlegen, Zuständigkeiten vergeben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werben und begleiten. Hierbei ist es wichtig, den Blick zu weiten, nicht nur die bekannten Kreise zu betrachten, sondern für sorgenden Gemeinde von Aufträgen zu entlasten und viele Gemeindemitglieder zeitlich befristet einzubeziehen.

„Attraktivität“ der Projektarbeit

Viele Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren, wollen sich aber nicht auf Jahre hinaus verpflichten. Projektarbeit ermöglicht, sich gezielt und zeitlich befristet einzubringen. Projektarbeit ist eine Arbeitsweise, die dem Lebensgefühl heutiger Menschen entspricht.

  • Ein Projekt ist zeitlich begrenzt, man weiß, wann es losgeht und wann es zu Ende ist. 
  • Eine Projektgruppe ist ergebnisorientiert, es gibt einen klaren Projektauftrag und ein klares Ziel.
  • Die zeitliche Begrenzung und Ergebnisorientierung setzen Kreativität frei und wirken motivierend.

Vielfalt und Experimentierfreude – ein paar Tipps für die praktische Arbeit

Diese Arbeitsformen stellen jedoch nur eine Möglichkeit der Umsetzung dar. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, sich der Herausforderung der heutigen Zeit zu stellen und entsprechend dem Bedarf Schwerpunkte in der Arbeit zu setzen. Hierbei ist es wichtig, das eigene Tun immer wieder auf den Prüfstand zu stellen:

  • Die Arbeit sollte Spaß machen – nur wer selbst an seinem Tun Freude hat, kann begeistern.
  • Es darf auch mal etwas Neues sein – nicht jedes Vorhaben muss gelingen, aber jede Idee ist es wert, gehört und bedacht zu werden.
  • Alles hat seine Zeit und seine Stunde – trauen Sie sich, sich von Aktivitäten, die nur noch als anstrengend empfunden werden und die aus reinem Pflichtgefühl aufrechterhalten werden, zu verabschieden.
  •  Erhalten Sie sich in der Pfarrei und im Pfarrgemeinderat trotz aller Planung einen Freiraum für Spontanes, um auf aktuelle Fragen direkt reagieren zu können.