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  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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  • GC 002 2017 Titel

Meditation 02/2015

Hauptsache, dagegen

von Walter Wakenhut

Ende Januar dieses Jahres titelte die Wochenzeitung DIE ZEIT „Hauptsache, dagegen.“ Sie nimmt in mehreren Artikeln Bezug auf die Proteste gegen die Islamisierung des Abendlandes, gegen TTIP, gegen die Windräder vor der Haustüre, gegen die neuen Stromtrassen usw.

Dagegen zu sein fällt uns Menschen offensichtlich leichter als für etwas zu sein. Auf etwas zu reagieren ist bequemer als selbst zu agieren und die Initiative zu ergreifen. Wir haben uns in unserer doch sehr angenehmen Welt eingerichtet und sind nun verunsichert, weil die Not der Welt vor unserer Tür steht, weil Menschen auf der Flucht vor Krieg, Elend und Armut zu uns kommen.

Und das macht uns bewusst, dass alles, was wir so selbstverständlich für uns beanspruchen, gar nicht so selbstverständlich ist. Es kommt ein Gefühl der Bedrohung und der Angst auf, etwas zu verlieren, was mit mir zu tun hat und meinem Leben, dessen ich mir aber gar nicht mehr so bewusst bin. Es geht um Werte, die in Vergessenheit geraten sind, vielleicht irgendwo im Unterbewussten noch vorhanden sind, die aber fest in unserer abendländischen Tradition begründet sind.

Es mag deshalb bezeichnend sein, dass – wie man auch lesen konnte – viele derer, die zu Beginn des Jahres gegen die drohende Islamisierung des Abendlandes demonstrierten, selbst keinem religiösen Bekenntnis angehörten.

Was fürchten sie? Dass ihnen Religion und religiöses Tun aufgezwungen wird? Ist Religion als solche eine Gefahr, gegen die ich mich wehren muss?

Wie begegnet Religion den Menschen? Wie werden wir Christen von den „Anderen“ erfahren? Und da sind auch wir mit dabei. Da ist unser Glaube, unser gelebter Glaube gefragt. Und die Frage ist dann nicht, wogegen wir sind, sondern wofür sind wir und wofür stehen wir.

Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass wir Christen in unserem Staat immer weniger werden und insofern auch immer weniger „vorkommen“. Christliche Werte, insbesondere was den Schutz des Lebens betrifft, gelten immer weniger und die, die sie vertreten, werden nicht ernst genommen und als hoffnungslos gestrig belächelt. Menschenwürde und Menschenrechte werden sehr egoistisch für sich selbst eingefordert; woanders aber mischen wir uns besser nicht ein. Da lassen wir großzügig das Motto gelten „Andere Länder, andere Sitten“. Christliches Glaubensbewusstsein hat sich verflüchtigt in der vergifteten Luft unserer Städte, es ist verdunstet im überhitzten Kampf um Reichtum und Wohlstand.

Zwei Stellen aus den Evangelien, eine von Matthäus, die andere von Markus können uns zum Nachdenken anregen. Jesus lädt die Leute ein (Matthäus 11,28-30):

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.

Können Menschen solches in unseren Räten, Verbänden und Vereinen erfahren? Sind unsere Pfarreien Orte, an denen Frauen und Männer, Junge und Alte sich ausrasten können, zu sich selbst und damit zur Ruhe kommen können?

Und bei Markus 9, 38-40 können wir lesen:

Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – Amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.