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Kommentar 02/2015

Bildung beginnt im Elternhaus

von Gisela Häfele
Vorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands, Landesverband Bayern

Bildung ist wichtig – wer würde dieser Aussage widersprechen? „Bildung ist Zukunft“ oder „Bildung ist der wichtigste Rohstoff“, diese Slogans beschreiben die Forderungen von Politik und Wirtschaft. Da steht für Eltern die Bildung ihrer Kinder ganz oben in der Rangliste. Ist sie doch eine elementare Voraussetzung privates und berufliches Leben zu meistern. Seit den Ergebnissen der ersten PISA-Studie (Programme for International Student Assessment) ist vor allem die schulische Bildung in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Dabei wird gerne übersehen, dass Bildung nicht in Kindergarten oder Schule beginnt, sondern im Elternhaus. In der Familie werden Beziehungs- und Bindungserfahrungen gemacht, die den Grundstein für gelingende Bildungsprozesse legen. Und die Eltern werden auch durch Kindergarten- und Schulzeit hindurch aktive Lernbegleiter ihrer Kinder bleiben. Das erfordert eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Kindergarten oder Schule. Die Beziehung zwischen Erziehern, Lehrkräften und Eltern muss von gegenseitigem Respekt getragen werden. Nur die gegenseitige Achtung garantiert einen Dialog auf Augenhöhe. Schulische Bildung gelingt nur dann, wenn die Beteiligten an einem Strang ziehen und das Wohl des Kindes im Auge haben. Diffamierende Äußerungen von öffentlichen Vertretern gegenüber Eltern erreichen das Gegenteil. Zu „Bildungsverhinderungsprämie“ verstiegen sich einige Politiker als es um die Diskussion des Betreuungsgeldes ging. Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, widmet in seinem Buch den sogenannten „Helikoptereltern“ etliche Kapitel. Eltern brauchen jedoch Stärkung um ihrer Aufgabe gerecht zu werden.

Bildung wird seit PISA vor allem unter dem Gesichtspunkt der ökonomischen Effizienz in den Blick genommen. Es stellt sich die Frage, ob schulische Bildung damit nur noch eine Befähigung ist, sich an ökonomische Globalisierungsprozesse anzupassen und ob der Mensch unter diesen Gesichtspunkten verwertbar ist? Statt Bildung haben Kompetenzen Einzug in die Schulen gehalten, die in messbaren Standards überprüft werden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung spricht in einem Artikel vom „Kompetenz- Fetisch“ bei dem das „Wissen immer weniger wichtig wird, Kompetenzen dafür umso mehr.“ Volker Ladenthin fasst die von PISA geprüften Kompetenzen kritisch zusammen: „Schüler sollen nach PISA nicht lernen, nach dem Sinn des Lebens zu fragen, sondern sie sollen Aufgaben lösen, gleichgültig welche.“ Ist das die Bildung, mit der unsere Kinder ihr Leben meistern können? Es war ebenfalls das Ergebnis der ersten PISA-Studie, die die Politik veranlasst hat, schulische Bildung vor allem strukturell zu reformieren. In Bayern hat man über Nacht das achtjährige Gymnasium (G8) eingeführt. Die Mängel des G8 sind bis heute nicht behoben und geben Anlass zu endlosen Diskussionen, ob denn nun ein G8 oder G9 die bessere Variante sei. Dass Hauptschüler nun Mittelschüler sind, hatte vor allem mit den rückgängigen Schülerzahlen an dieser Schulart zu tun. Dieser Liste könnte man noch etliche Beispiele hinzufügen. Schulisches Lernen braucht Zeit. Es bringt Unruhe und Unsicherheit für Schüler und Eltern, wenn ständige Neuerungen den Schulalltag beherrschen. Schulstrukturen müssen verlässlich sein um den Beteiligten ein gutes Lernklima zu ermöglichen. Aber man kann von schulischer Bildung auch nicht alles erwarten. Und so bringt Oscar Wilde eine Prise Gelassenheit, wenn er sagt: „Bildung ist etwas Wunderbares. Doch sollte man sich von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass wirklich Wissenswertes nicht gelehrt werden kann.“