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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Meditation 01/2015

Gerechtigkeit schafft Frieden

Von Walter Wakenhut

Anfang Mai dieses Jahres 2015 wird es siebzig Jahre sein, dass der unselige zweite Weltkrieg mit seinen unzähligen Opfern endete. Deutschland lag am Boden, seine Städte waren zerstört und Millionen von Menschen waren aus ihrer Heimat vertrieben und auf der Flucht. Kaum einer hätte damals zu denken gewagt, dass diese Katastrophe der Anfang der wohl längsten Friedensperiode in unserem Land sein werde. So ist der Friede, ein Leben in Frieden, für die allermeisten von uns selbstverständlich: denn nur noch wenige haben die Schrecken des Krieges erlebt. Das soll und darf aber nicht dazu führen, dass wir gar nicht mehr wahrnehmen, was dieser Friede bedeutet, welch großer Segen er ist und welch große Verantwortung wir damit haben.

Nur: wir leben auf keiner Insel der Seligen. Dieser Friede ist immer auch gefährdet, er ist aufs höchste zerbrechlich. Der weltweite Terrorismus ist nur eine der vielen Gefahren. Weitaus schlimmer sind die wirtschaftliche Ausbeutung, die Unterdrückung, der Klimawandel und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme. Wir können davor die Augen zumachen, wir können auch dagegen demonstrieren. Das Problem bleibt bestehen. Die deutschen Bischöfe haben 1983 eine Erklärung mit dem Titel „Gerechtigkeit schafft Frieden“ herausgegeben. Diese fand 2000 in „Gerechter Friede“ ihre Fortsetzung.

Sie setzen damit um, was die Engel den Hirten in Bethlehem verkündeten. Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade. Wir Christen haben diese Verheißung sehr schnell und ausschließlich für uns beansprucht. Nur damals gab es die Christen in diesem Sinn noch nicht. Diese Verheißung reicht viel weiter, nämlich auf die Menschen seiner Gnade und das sind die, die die Ordnung annehmen, die Gott seiner Welt gegeben hat. Diese wieder herzustellen, heißt zunächst und vor allem: Gerechtigkeit schaffen. Jedem Menschen steht das zu, worauf er Recht hat: Würde und Respektierung seiner Grundrechte.

Unsere katholische Kirche begeht deshalb den Neujahrstag als Weltfriedenstag. Leider geht dieser Tag meistens im Lärm der Silvesternacht und den Folgen daraus unter.

„Nicht länger Sklaven, sondern Brüder und Schwestern“. Dieses Thema hat Papst Franziskus dem diesjährigen Weltfriedenstag gegeben. Er trifft damit einen empfindlichen Punkt unserer Wirtschaftsordnung, die weithin auch davon profitiert, dass Frauen wie Männer und leider auch Kinder unter menschunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben müssen.

Unser Papst schreibt: Wir wissen, dass Gott jeden von uns – wie einst den Kain nach seinem Bruder Abel – fragen wird: „Was hast du mit deinem Bruder gemacht?“ Die Globalisierung der Gleichgültigkeit, die heute auf dem Leben so vieler Schwestern und Brüder lastet, verlangt von uns allen, zu Urhebern einer Globalisierung der Solidarität und der Brüderlichkeit zu werden. Nur sie kann ihnen die Hoffnung zurückgeben und ihnen helfen, mutig den Weg durch die Probleme unserer Zeit wieder aufzunehmen und neue Perspektiven zu gewinnen, die dieser mit sich bringt und die Gott in unsere Hände gelegt hat.

Eine Globalisierung der Brüderlichkeit, der Geschwisterlichkeit fordert der Papst im Angesicht einer Wirtschaft, die tötet, weil sie vielen Menschen die Lebensgrundlage entzieht. Der Friede bei uns und unsere Zufriedenheit damit dürfen uns nicht blind machen für das, was draußen in der Welt passiert. Es gibt nur die eine Welt, die eine Erde, die wir geschwisterlich mit allen Menschen zu teilen haben und teilen müssen, weil sie alle die gleiche Würde und das gleiche Recht haben.

Wir sollten deshalb nicht müde werden, wo immer wir können, diesem Frieden Raum zu schaffen in unserem eigenen Herzen und in unserer Gesellschaft. Es gibt keinen Frieden nur für uns, sondern nur den Frieden für alle – und den gilt es zu schaffen.