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  • Miteinander sprechen, voneinander lernen

    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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  • GC 002 2017 Titel

Praxistipp 01/2014

Ein Wahlprogramm für Pfarrgemeinderäte

Als ich die Anfrage zu diesem Beitrag erhielt, dachte ich: ein klassisches Thema; der große inhaltliche Bogen vom Vatikanischen Konzil (immer noch Jubiläum!) über Würzburger Synode und Dialogprozess zum Weltdienst der Laien. Aber jetzt stecke ich mitten im Wahlkampf, Kandidaten motivieren, Wahlversammlungen planen, Wahlprogramm erstellen. Nein, nicht für den Pfarrgemeinderat, sondern für die Kommunalwahl am 16. März. Und ich denke: Verschiedene Kandidatenlisten, Wahlversammlungen für die PGR-Wahl, gibt es sowas? Oder Wahlprogramme mit Zielen und konkreten Projekten?

Von Wolfgang Beier
Diözenratsvorsitzender Passau

Der Leitsatz für ein solches Wahlprogramm könnte sein: „Wir leben aus der Freude des Evangeliums und sind deswegen berufen zu einem neuen missionarischen Aufbruch“. Aber wohin und für wen?

Zunächst machen wir deutlich, dass wir uns nicht länger einschließen wollen in Strukturen, die uns einen falschen Schutz geben und in die Gewohnheiten, in denen wir uns wohl fühlen und dass wir uns nicht mehr verstricken in Anhäufung von Ideen und kleinlichen Streitereien.

Wir wollen eine Pfarrei, eine Kirche mit offenen Türen, die auf die Menschen zugeht, ohne Ängstlichkeit dem anderen in die Augen sieht, ihm zuhört und so auch an die menschlichen Randgebiete gelangt.

Wir wollen uns nicht weiter vereinnahmen lassen von den vermeintlichen Dringlichkeiten des Alltäglichen, uns nicht beschränken auf innerkirchliche Aufgaben und uns nicht eingrenzen lassen durch übertriebenen Klerikalismus. Denn wir kennen unsere Verantwortung, die aus Taufe und Firmung hervorgeht und wollen deswegen unsere christlichen Werte in die soziale, politische und wirtschaftliche Welt einbringen.

Wir lassen uns nicht länger sagen, Religion sei etwas für das Innenleben der Menschen und ohne Einfluss auf das soziale und gesellschaftliche Geschehen, nein: Wir wollen das Reich Gottes in der Welt gegenwärtig machen.

Dabei leitet uns die Aufforderung Jesu „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist“ – Barmherzigkeit ist die Antwort auf die Liebe Gottes und die größte aller Tugenden. Und weil Gott den Armen seine erste Barmherzigkeit gewährt, stellen wir die Armen in den Mittelpunkt unseres künftigen Weges, schenken ihnen unsere aufmerksame Zuwendung. Arm sind für uns Menschen in materieller Not, aber auch Obdachlose, Drogenabhängige, Flüchtlinge, Migranten, Opfer von Menschenhandel, Ausbeutung, moderner Sklaverei. Neben den einfachsten und täglichen Gesten der Solidarität sind wir gefordert, die strukturellen Ursachen der Armut zu beheben, haben wir die moralische Verpflichtung zur Teilnahme am politischen Leben. Dies gilt für uns an jedem Ort und bei jeder Gelegenheit. Denn: Alle Christen sind berufen, sich um den Aufbau einer besseren Welt zu kümmern. Dafür stehen wir als gewählte Laien im Pfarrgemeinderat.

Sie kennen kein solches PGR-Wahlprogramm?

Aber es gibt es! Das apostolische Schreiben EVANGELII GAUDIUM von Papst Franziskus enthält alles, was künftig Richtung und Ziel der Laienarbeit sein muss. In klaren Worten und starken Bildern, konkret, einfühlsam und voller Liebe befeuert er uns seiner Bitte zu folgen: „Ich hoffe, dass alle Gemeinschaften dafür sorgen, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um auf dem Weg einer pastoralen und missionarischen Neuausrichtung voranzuschreiten, der die Dinge nicht so belassen darf, wie sie jetzt sind. Jetzt dient uns nicht eine „reine Verwaltungsarbeit“. Versetzen wir uns in allen Regionen der Erde in einen Zustand permanenter Mission.“