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    Georgios Vlantis ist der erste orthodoxe Geschäftsführer der ACK in Bayern. In Gemeinde creativ spricht er über das Jahr 2017 als gemeinsames Christenfest und die Bedetung der Ökumene

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Kommentar 01/2014

Neue Modelle des Lastenausgleichs entwickeln

Von Prälat Bernhard Piendl
Direktor des Landescaritasverbandes Bayern

„Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts dokumentieren einen Anstieg der Altersarmut im Bundes-Durchschnitt um rund 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung. Dass in Deutschland über 460.000 Menschen über 65 Jahre Grundsicherung benötigten, zeigt, wie kurz man bei den Renten-Reformen der vergangenen Jahre gesprungen ist. Steigende Lebenshaltungs-Kosten im Alter und jahrelanges Familien-Engagement, gerade von Frauen, die jetzt im Rentenalter sind, werden noch viel zu wenig berücksichtigt.

Auch im eigentlich reichen Bayern gibt es bittere Armut. Doch aus Angst oder Scham wird sie oft versteckt. Sie wirkt weniger präsent, obwohl sie vor unseren eigenen Haustüren, vor denen unserer Nachbarn oder denen unserer Mitbürger in der Gemeinde drückt. Und wer sich bedrückt fühlt, der zieht sich zurück. Mangelnde Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, ja ein regelrechtes Abgehängt-Sein derer, die es wirtschaftlich ohnehin schon schwer haben, sind leider allzu oft die Folge.

Die demografische Entwicklung lässt befürchten, dass der Trend zur steigenden Altersarmut sich noch verschärfen wird. Auf immer mehr Leistungsempfänger kommen immer weniger Beitragszahler. Ein Übriges tut die schleichende Zunahme atypischer Beschäftigung. Wo aber verlässliche, sozialversicherungspflichtige Arbeit zu Gunsten eines reinen Profitstrebens zurückgedrängt wird, da stellt man gefährliche Weichen für die Zukunft. Bei den prekär Beschäftigten herrscht Planungs-Unsicherheit für das eigene Leben; bei den Sozialversicherern schrumpfen die Einnahmen. Private Vorsorge? Ist ohne Zweifel wichtig, für Geringverdiener aber finanziell oft nicht zu stemmen.

Altersarmut ist daher ein gesamtgesellschaftliches Thema und gehört auf allen Ebenen ganz oben auf die politische Agenda. Sicher, es ist eine Herausforderung, neue Modelle des Lasten- und Ressourcen-Ausgleichs zwischen den Generationen zu entwickeln. Doch das Thema muss dringend angepackt werden. Schon junge Familien brauchen zum Beispiel bessere Rahmenbedingungen, um sich verstärkt für Kinder entscheiden zu können und zu wollen. Es ist beschämend, wenn Kinder für manche Menschen in Deutschland (Alleinerziehende etwa oder Geringverdiener) immer noch und immer wieder als „Armutsrisiko“ gelten.

Eine hohe soziale Qualität ist in einer Gesellschaft jedenfalls nicht erreicht, solange zahlreiche Menschen durch Armut um ihre Chancen gebracht werden. Wer ausgegrenzt und ins gesellschaftliche Abseits gestellt wird, den verlassen bald auch Mut und Zuversicht. Armut kann dabei übrigens nicht nur finanzielle Armut sein, sondern auch Bildungsarmut, Teilhabearmut oder Mangel an sozialen Kontakten bedeuten.

Eine sozial ehrgeizige Gesellschaft darf sich deshalb mit Armut in ihrer Mitte nicht abfinden. Mehr sozialer Wohnungsraum kann ein Anfang sein, kostenfreier Zugang zu gesundheitlichen Leistungen für Menschen unterhalb der Armutsgrenze muss folgen. Und vor allem: eine umfassende Strategie zur Bekämpfung der Armut, ob als Kinder-,Familien- oder Altersarmut.